Ja, Kanzlersouffleuse ist ein spannender Job. „Die Merkel ist die Hardware, ich die Software“, sagt Simone Solga. Pointenreich vertraut sie ihrem Publikum selbst jene Dinge an, die „bei Merkels unterm Sofa“ liegen. Ochtrups Bürger sollen schließlich gut vorbereitet sein, wenn die „Kanzlerin der Entschleunigung“ in der kommenden Woche die Töpferstadt besucht. Auch der Herr in der mittleren Reihe, den die Solga „eine Ochtruper Ausgabe des Frank Bsirske“ nennt. „Sie alle wirken mir aber noch zu sozialdemokratisch. Bis die Kanzlerin nach Ochtrup kommt, muss sich das ändern“, meint sie skeptisch und beauftragt Bürgermeister Kai Hutzenlaub, diese Dinge in die Hand zu nehmen. „Das kriegen Sie hin, Herr Kai. Sie verkörpern ein zweites Wirtschaftswunder“, ermutigt sie ihn. Der Bürgermeister trägt es mit Humor, beim Publikum bleibt kein Auge trocken, und die Solga fährt fort mit ihrer Zwerchfell strapazierenden Sprachakrobatik. Angela Merkel und Oskar Lafontaine bezeichnet sie als „Yin und Yang“ der Bundespolitik. Sie philosophiert über den Widerspruch von „gut und besser“, nimmt sowohl die Anglizismen als auch die Juristensprache aufs Korn und erweist sich als Meisterin der Wortschöpfungen und pointierten Versprecher. Auf hohem Niveau plappert sie über „die Ritter der Schwafelrunde“ in unserer „von Laien regierten tollen Regierung“ und verrät, dass im Kanzleramt vom vielen Nicken der „Morbus Kanzleramtus“ ausgebrochen ist. Manchmal aber erholen sich die Abgeordneten und Minister beim internen Reichstagsfußball. Und den kommentiert Simone Solga ausgiebig und mit bissigem Politwortwitz: „Lasst Euch den Ball doch nicht von diesem Atomtestmutanten abluchsen ... Trittin, tritt ihn ... der veropelt die Bälle ...“
Vor ihrer Zeit im Kanzleramt war die Solga übrigens Norbert Blüms Souffleuse. Und wären da die Texte nicht immer so langweilig gewesen, dass sie mitten im Satz eingeschlafen ist, dann hieße Blüms legendärer Satz heute: „Die Renten sind sicher - nicht zu bezahlen.“
Sicher ist allerdings, dass diese kabarettistische Abschlussveranstaltung der Ochtruper Kulturtage ein einziger Großangriff auf die Lachmuskeln des Publikums war. VHS-Direktor Guido Dahl erzählt am Rande, dass er während eines Kuraufenthaltes eine Veranstaltung mit Simone Solga erlebt und die Kabarettistin umgehend für Ochtrup engagiert hat.
29.07.2010: Tageblatt Ochtrup (Joshua Rasfeld)
Gepunktete Elefanten in der Villa
Ochtrup. An den Wänden des Raumes in der Villa Winkel hängen Bilder von Clemens Wieschebrink. In getragenen Pastellfarben und gedeckten Tönen zeigen sie auf angerauter Oberflächenstruktur Bildnisse von Personen. Wieschebrink beendete sein künstlerisches Schaffen mit seinem Ableben im Jahre 1971. Gestern Morgen ging es aber um die Künstler der Zukunft. Im Rahmen des Ferienspaßprogrammes der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Ochtrup (OKJA) trafen sich Kinder zu einem von der Volkshochschule gehaltenen Kursus über Acrylmalerei.
Zu Beginn gab Kursusleiterin Claudia Höping den Nachwuchskünstlern im Grundschul- und Unterstufenalter eine Einführung in die Arbeit mit den Acrylfarben. Die bieten eine Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten, „ob mit dem Pinsel, dem Schwamm oder mit dem Spachtel aufgetragen, ob mit Sand, Paketband oder auch anderen Materialien kombiniert“, wie es schon im Programmheft der OKJA hieß.
Die jungen Teilnehmer durftensich im Anschluss an die einleitende Erklärung aus einer Vielzahl von Kunstbüchern und Magazinen ihre Motive aussuchen oder auch eigene Ideen entwickeln. War die Entscheidung über das Malmotiv gefallen, begann die Arbeit am Kunstobjekt erst einmal mit dem Bleistift. Mit diesem wurde auf einem Keilrahmen das Bild skizziert, das später mit Acrylfarben gefüllt werden sollte. Den Ideen waren hierbei keine Grenzen gesetzt, die Kinder ließen sich einiges einfallen.
Meike Höping und Nele Lewejohann zum Beispiel saßen vor ihren Bildern, auf denen sie Rechtecke mit verschiedenen Blauschattierungen ausmalten. „Wir machen erst einen Hintergrund, und dann malen wir einen Eiffelturm darauf“, sagte die elf Jahre alte Meike und zeigte das Motiv in einem Heft, das vor ihr lag. Und wo kommt dieser acrylfarbene Eiffelturm dann einmal hin? „Ich glaube, den hängen wir einfach zu Hause auf“, meinte die gleichaltrige Nele. Etwas weiter links am Tisch war der achtjährige Janik Gesenhues damit beschäftigt weiße, gelbe und rote Farbe von seiner Farbpalette auf die Leinwand zu bringen. „Ich male eine Sonne, das Motiv fand ich schön“, erklärte er seine Arbeit und wusste auch genau, wo die Sonne mal strahlen soll: „Die ist für mein Zimmer.“
In ihrem Zimmer soll auch der Elefant hängen, den Kim Mölleke malte. „Kunst macht mir Spaß, in der Schule ist das mein Lieblingsfach“, sagte die Zwölfjährige, während sie das Rüsseltier vor sich mit lila, grünen und türkisfarbenen Punkten versah.
Zwischen den malenden Kindern huschte stetig Claudia Höping herum. „Da könntest du auch weiße Farbe nehmen. Ich denke, dass das schön aussieht“, hatte sie immer einen guten Tipp und ein offenes Ohr für die Fragen der Kinder parat. „Die Kinder malen dabei ganz nach ihrer Idee“, betonte die 40-Jährige den kreativen Freiraum während des Kurses. Um 12 Uhr war erst einmal Feierabend, doch am heutigen Vormittag haben alle Jungkünstler noch einmal von 9 bis 12 Uhr die Möglichkeit, ihre Werke zu verfeinern, oder auch neue Ideen umzusetzen.
21. Juli 2010: Tageblatt Ochtrup (Katharina Fiegl)
Mit Zewa zum Rauschgoldengel
Ochtrup. Das Partystyling ist kein Thema. Noch nicht. Auch wenn sich Mareike Leusder - gefragt nach ihrem Alter - beeilt klarzustellen: „Ich werde noch dieses Jahr 13.“ Den elf jungen Damen, die am Montagvormittag den Friseursalon Dorsten in Beschlag nehmen, geht es eher um ein anspruchsvolles Äußeres im Alltag. Und das, im wahrsten Sinne des Wortes, bis in die Haarspitzen. „Ich will einfach immer etwas mit meinen Haaren machen“, verrät Vanessa Behnke. Ein Tag ohne das gewisse Etwas auf den Haupt? - Ein verlorener Tag für die Jugendliche. Da kommt ihr die Ferienspaß-Aktion gerade recht. „Ich wollte schon immer mal hierhin - zum Beispiel beim Girls´ day“, erzählt Vanessa.
Für sie ist es das erste Mal. Doch Susanne Dorsten macht auch einige Wiederholungstäterinnen in ihrem Salon aus: „Die waren schon bei der letzten Ferienspaß-Auflage da.“ In wenig mehr als zwei Stunden kann die Friseurin die Experimentierfreude der elf Grazien noch lange nicht stillen. Munter fuhrwerken diese auf den Köpfen ihrer Freundinnen herum oder nehmen vorsichtshalber erst einmal mit Plastikschöpfen vorlieb. Erst am Schluss wird Susanne Dorsten die Mädchen unter ihre Fittiche nehmen: „Fürs Endergebnis, mit dem sie nach Hause gehen.“
Dabei sehen die Resultate der ersten Runde schon ganz vorzeigbar aus. Die Struwwelpeter unter den Neun- bis Zwölfjährigen haben ihre Mähne mit Hilfe von Glätteisen geplättet, die übrigen Mädchen sind nun frisch gelockt - dank Zewa-Tüchern. „Eine ganz beliebte Methode auch bei Kinderkommunionen“, plaudert Susanne Dorsten aus dem Nähkästchen. Schließlich lasse sich mit den Tüchern im Haar bequem schlafen.
Letzteres tut aber nicht unbedingt Not: Festiger aufsprühen, Strähnen um gerollte Zewa-Streifen wickeln, Tücher verknoten, 15 bis 20 Minuten Geduld walten lassen - fertig ist der Rauschgoldengel. Und der wird bestimmt auch eines Tages bei einer Party gern (an)gesehen.
6. Juni 2010: Tageblatt Ochtrup (Anne Eckrodt)
Kulturtage kommen als "Best of" daher
Ochtrup. Die 24. Kulturtage sind für ihn als VHS-Direktor gleichzeitig die letzten. Denn zwei Tage nach der Abschlussveranstaltung am 28. November verabschiedet sich Guido Dahl in den Ruhestand. Die Veranstaltungsreihe ist so etwas wie sein „Baby“. Kam da beim Zusammenstellen Wehmut auf? „Nein“, meint Dahl ohne zu zögern. Und er schiebt gleich eine Erklärung hinterher: „Wehmut kam deshalb nicht auf, weil ich denke, die Kulturtage 2010 sollten nicht die letzten sein. Sie müssen ganz einfach weiter gehen.“
Zum Abschied aus seinem Amt hat er ein „Best of“-Programm zusammengestellt, das seinem Namen gerecht wird. Dafür sorgen Künstler wie Wendelin Haverkamp. „Auftritte wie diese sind in Ochtrup nur möglich, weil wir mit der Volksbank wieder einen Sponsor an Bord haben“, erklärt Dahl im Gespräch mit unserer Zeitung.
„Himmlisch-irdische Geschichten“ stehen zur Eröffnung der Kulturtage am 4. November (Donnerstag) um 19.30 Uhr in der Villa Winkel auf dem Programm. Erzählt werden sie von Willibert Pauels. Der „bergische Jung“ ist im Hauptberuf Karnevalist, Kabarettist sowie Büttenredner und im Nebenberuf Diakon. Sein „Kirchenkabarett“ ist nicht nur lustig, sondern ein spannender Vortrag über das Verhältnis von Religion und Kirche.
Wenige Tage später, am 9. November (Dienstag), betritt mit Wendelin Haverkamp der nächste Wortakrobat die Kulturtage-Bühne. Ab 19.30 Uhr präsentiert er sein neues Programm „Alles muss man zweimal sagen“. Dieses „Best of“ zeigt, dass durch Wiederholen zwar nichts klarer, aber alles anders wird. Mit feiner Spitze und bissig-sarkastischem Witz nimmt sich Haverkamp die Welt vor.
Tatortfans kennen Jochen Senf als Saarländer Kommissar Max Palu. 2007 ist er mit einer Buchserie rund um den Berliner „Schnüffler“ Fritz Neuhaus gestartet. Im Rahmen der Kulturtage liest Senf am 11. November (Donnerstag) um 19.30 Uhr in der Villa Winkel aus seinem neuen Krimi „Kindswut“. Der stellt erschreckend realistisch dar, wie elterliche Gewalt ein Kind zerstören kann. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Bücherei St. Lamberti statt.
Spannend wird es am 18. November (Donnerstag). Dann dreht sich bei der Kinderuni in der Villa Winkel ab 16 Uhr alles um die „Urknallmaschine“. Prof. Dr. Johannes Wessel berichtet den jungen Studenten zwischen acht und zwölf Jahren anschaulich von den Experimenten im Kernforschungszentrum Cern in Genf. Dort werden mit Hilfe eines 10000 Tonnen schweren Magneten Protonen fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, um sie gegeneinander prallen zu lassen. So entstehen 20000 Teilchen, wenn 400 Protonen aufeinander treffen. Ende März gelang Wessel und seinen Kollegen erstmals dieses Experiment.
Dieter Huthmacher entführt seine Zuhörer am 16. November (Dienstag) in der Villa Winkel ab 19.30 Uhr in die Welt von Hermann Hesse. Dafür benötigt er nur zwei Gitarren, ein Mikrofon und seine Stimme. Während der Künstler spielt, erzählt und singt, entstehen in den Köpfen seiner Zuhörer Bilder von einer Reise, die in einem Calwer Pfarrhaus beginnt und über die Tübinger Altstadt bis nach Asien führt. Huthmacher arbeitet bei seinem Programm „Nur ein Dichter wollt ich werden...“ mit dem Gitarristen Matthias Hautsch zusammen. Er begleitet die biographische Prosa und die gesungenen Erzählgedichte mit Jazz-Improvisationen und kleinen, lyrischen Entwürfen.
Können Männer denken? Und wenn ja wozu? Diesen Fragen geht die Kabarettistin Uta Rotermund in ihrem gleichnamigen Programm nach. Wer die Antworten nicht verpassen will, sollte sich den 25. November (Donnerstag) vormerken. Ab 19.30 Uhr strapaziert Rotermund in der Villa Winkel das Zwerchfell ihrer Zuhörer.
Worte spielen auch beim letzten Programmpunkt am 28. November (Sonntag) ab 17 Uhr in der Villa Winkel eine wesentliche Rolle. Bei der Vokalformation „Feyne Töne“ von der bergischen Musikschule Wuppertal kommen sie allerdings wesentlich poetischer daher. Begleitet von Klaus Fleischhauer am Klavier bringt das Ensemble den Komponisten Robert Schumann und die Dichterin Else Lasker-Schüler in Wort und Ton zu Gehör.
25. Juni 2010: Tageblatt Ochtrup (Anne Eckrodt)
Wechsel an der VHS-Spitze zum Jahresende: Dahl geht, Klävers rückt auf
Ochtrup. Wechsel auf dem Chefsessel des Volkshochschul-Zweckverbandes: Der langjährige Direktor Guido Dahl geht zum 1. Dezember mit Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren in den Ruhestand. Dann übernimmt sein bisheriger Stellvertreter Bernd Klävers die Leitung der VHS. Auf diese Nachfolgeregelung einigte sich die Verbandsversammlung am Mittwochabend in nichtöffentlicher Sitzung, die keine 15 Minuten dauerte.
„Wir hatten das Ganze natürlich im Vorfeld schon besprochen. Dennoch war die offizielle Absegnung durch das Gremium erforderlich. Für die Fördermittel, die die VHS bekommt, ist es erforderlich, eine kontinuierliche pädagogische Leitung nachzuweisen“, teilte Helmut Brüning am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung mit. Der Metelener Bürgermeister ist zurzeit Vorsitzender der Verbandsversammlung. Neben Metelen gehören Ochtrup, Neuenkirchen und Wettringen zum VHS-Zweckverband. Die Einigung auf Klävers sei einstimmiger Tenor in der Runde gewesen, berichtete Brüning weiter.
Er und seine Kollegen haben auch die personelle Besetzung der Volkshochschulverwaltung im Blick. „Uns ist bewusst, dass dort künftig eine volle Stelle fehlt. Wir haben uns darauf verständigt, bis zu den Haushaltsberatungen zu überlegen, wie das aufgefangen werden kann“, steckte der Metelener Bürgermeister den Zeitrahmen ab.
Eine mögliche Fusion mit einer anderen Volkshochschule war in der Verbandsversammlung am Mittwoch kein Thema. Im vergangenen Jahr hatte es dazu - wie berichtet - Gespräche mit der VHS in Steinfurt gegeben. Die wurden jedoch vor einigen Monaten auf Eis gelegt. „Und da liegen sie gut“, meinte Brüning. Die Verbandsversammlung will nun erst mal in aller Ruhe den Wechsel an der Spitze abwarten. „Wir glauben, dass wir für die Zukunft gut aufgestellt sind und eine Fusion so schnell kein Thema sein wird“, sagte der Metelener Bürgermeister.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die VHS nicht um weitere Kostensenkungen bemüht. „Wo es möglich ist, arbeiten wir auch mit anderen Volkshochschulen zusammen und nutzen Synergieeffekte“, betonte Brüning. Vor allem mit den Volkshochschulen in Rheine und in Steinfurt gebe es in diesem Bereich eine enge Kooperation. „Warum soll man nicht beispielsweise hier verstärkt Sportangebote machen und dort den Fokus auf Sprachen legen - oder umgekehrt“, meinte der Metelener Verwaltungschef.
25. Juni 2010: Münstersche Zeitung (Peter Umlauf / Interview Dorothee Zimmer)
Bernd Klävers wird neuer Chef der VHS
Ochtrup. Bernd Klävers, bisheriger Stellvertreter von VHS-Chef Guido Dahl, wird dessen Nachfolger, wenn Dahl zum 1. Dezember in den Ruhestand geht. Das hat der Volkshochschul-Zweckverband am Mittwochabend beschlossen.
Der Beschluss war eigentlich nur noch eine Formalie. Nach 15 Minuten nichtöffentlicher Sitzung hatte sich die Verbandsversammlung auf Klävers als neuen Chef der VHS verständigt. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist seit 1981 für die VHS tätig. Mit seiner Berufung verbunden ist eine weitere Personalie.
„Die bisherige Verwaltungsleiterin Dorothee Leußing wird zur pädagogischen Mitarbeiterin und zu meiner Stellvertreterin. Die Position des Direktors wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben“, erläuterte Bernd Klävers. Auf einer Verbandsversammlung im November dieses Jahres sollen alle notwendigen personellen und finanziellen Weichen gestellt werden.
„Wir müssen eine förderfähige VHS bleiben“, sagt Helmut Brüning mit Blick auf öffentliche Mittel, die auch weiterhin fließen sollen. Der Metelener Bürgermeister ist Vorsitzender der Verbandsversammlung. Stellen wie die des Leiters und der pädagogischen Mitarbeiterin sind zwingend vorgeschrieben, sollen die Fördermittel weiter fließen.
Dahl geht zum 1. Dezember mit Erreichen des 65. Lebensjahres in den Ruhestand.
Guido Dahl geht als Direktor der Volkshochschule in den Ruhestand. Sein Nachfolger soll Bernd Klävers werden. Unsere Mitarbeiterin Dorothee Zimmer sprach mit dem zum Dezember ausscheidenden Direktor.
Seit wann sind Sie Direktor der VHS?
Guido Dahl: Ich trat am 15. Juni 1979 meinen Dienst als Leiter der Volkshochschule in der Hauptgeschäftsstelle in Ochtrups Villa Winkel an. Wie sicherlich bekannt, bilden seit Dezember 1976 die Stadt Ochtrup und die Gemeinden Neuenkirchen, Wettringen und Metelen den VHS-Zweckverband. Mein Vorgänger, Herr Elmar Wildenhues aus Coesfeld, wurde kurze Zeit nach der Gründungsversammlung im Januar 1977 gewählt.
Wann scheiden Sie offiziell aus?
Guido Dahl: Am 29. November habe ich die gesetzlich festgelegte Altersgrenze von 65 Lebensjahren erreicht und bin dann ab 1. Dezember Rentner, doch weiterhin im Unruhestand.
Was sind die Aufgaben eines VHS-Direktors?
Guido Dahl: Nun, der VHS-Direktor ist verantwortlich für die Arbeit der Volkshochschule. Insbesondere gehört dazu eine langfristige Planung des Weiterbildungsangebotes, die Erstellung des Jahresprogramms, die Verpflichtung der Dozenten, die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Vorbereitung des Jahreshaushaltes und die Verfügung der darin bereitgestellten Mittel. Dies ist allerdings nur möglich mit einem gut eingespielten Team von Mitarbeitern/-innen, das gemeinsam mit dem Leiter für die VHS-Arbeit Verantwortung übernimmt. Seit nunmehr drei Jahren ist unsere Volkshochschule zertifiziert.
Haben sie sich die Aufgaben im Laufe der Jahre schwerpunktmäßig verändert?
Guido Dahl: Generell lässt sich ein verstärkter Trend zu beruflich verwertbaren Kursinhalten feststellen. Nichtsdestotrotz halten wir allerdings am Ideal einer ganzheitlich gebildeten Persönlichkeit fest. Natürlich hat sich im Verlauf meiner 31 Berufsjahre in Ochtrup vieles geändert. Stellen Sie sich vor, wir unterrichteten noch vor 20 Jahren das Fach Maschinenschreiben an mechanischen Schreibmaschinen, nichtsahnend, was uns dann wenig später die Technik neu zu unterrichten vorgab.
Woran denken Sie im Rahmen ihrer Arbeit besonders gern zurück, woran weniger gern?
Guido Dahl: Ich hatte die gesamte Zeit über einen hervorragenden Mitarbeiterstab, der sich als Team herausgebildet hat, sodass ein Arbeitsvorgang in den anderen greifen konnte. Dies ist bei einer relativ dünnen Personaldecke unverzichtbar. Stets habe ich mich in diesem Team wohlgefühlt und mich ebenfalls als Teil des Ganzen verstanden. Dies geht nur, wenn fachliches Können und menschlich-kollegiales Miteinander eng verwoben sind.
Das nie nachlassende Bemühen um Bereitstellung der Finanzmittel - dies bei stets wachsendem Sparzwang - und die Schaffung eines Bewusstseins für die Notwendigkeit von Weiterbildung war zuweilen so etwas wie saueres Bier trinken. So manches Vorurteil vom "linkshändigen Yoga" etc. unterlief vielfach das Selbstverständnis eines Weiterbildungszentrums in der Region. Glauben Sie mir, die Volkshochschule ist ein wunderbar temperiertes Klavier, auf dem sich in Sachen Weiter- und Fortbildung alle Register ziehen lassen. Man muss, um im Bild zu bleiben, nur etwas musikalisch sein.
Wie lautet Ihr Fazit zu den "Ochtruper Kulturtagen"?
Guido Dahl: Die Ochtruper Kulturtage haben sich über all die Jahre zu einem festen Bestandteil der kulturellen Szene in unserer Stadt entwickelt. Auf den jetzt erreichten Standard lässt sich nur schwerlich bzw. gar nicht mehr verzichten. Im November eines jeden Jahres ist die Kleinkunstbühne in der Villa Winkel Ort großer Kunst, oder allgemein gesprochen, Stätte des kulturellen Austauschs. Ich will gar nicht erst aufzählen, wie viel exzellente Künstler und Künstlerinnen, Kabarettisten, Literaten, Musiker, Wissenschaftler aller Sparten etc. ihren Weg in die Töpferstadt gefunden haben.
Die "Ochtruper Kulturtage" sind ursprünglich aus einer gemeinsamen Initiative der Volkshochschule mit der Galerie Rosemarie Brinkwirth in der Mitte der achtziger Jahre entstanden. Aus dem Beiprogramm zu Kunstausstellungen im Hause Brinkwirth erwuchsen dann die Kulturtage, die fortan in Eigenregie der Volkshochschule durchgeführt wurden. Ab 1986 wurde dann die Veranstaltungsreihe zur "Woche der Brüderlichkeit" in das Jahresprogramm aufgenommen. Hierbei handelt es sich um ein Kurskonzept, das sich gänzlich der Verbesserung des jüdisch-christlichen Dialogs in Deutschland verpflichtet weiß.
Haben Sie Pläne für "die Zeit danach"? Oder: Gibt es etwas, auf das Sie nach Ihrer aktiven Zeit besonders freuen?
Guido Dahl: Ich vermag und will auch nicht von Tempo hundert auf Tempo zwanzig herunterschalten. Das Leben ist so kurz und die Welt zu interessant, um die Hände in den Schoß zu legen. Natürlich schwirrt mir bereits vieles im Kopf, doch davon an anderer Stelle. Worauf ich mich aber ganz besonders freue ist die erhoffte Tatsache, mich nicht mehr in das Terminkorsett anderer einfügen zu müssen. Ab dem 1. Dez. teile ich mir meine verbleibende Zeit selber ein und dies ist auch gut so.
11. Juni 2010: Münstersche Zeitung (Dorothee Zimmer)
"Migräne wird einem quasi in die Wiege gelegt"
Ochtrup. Dr. Dieter Hense kennt sie auch, diese Aussage von Frauen, der noch bis vor wenigen Jahren der Ruf vorauseilte, für spezielle Angelegenheiten eine höchst passable Ausrede zu sein: "Ich hab meine Migräne".
„Früher wurde das oft belächelt, heute weiß man, dass diese Art von Kopfschmerz für den Betroffenen eine bedeutsame Problematik ist“, erläuterte der niedergelassene Facharzt für Neurologie am Mittwochabend vor einem höchst interessierten Publikum im Café des Pius-Hospitals. Im Rahmen der „Visite am Abend“ – eines gemeinschaftlichen und kostenlosen Angebotes der VHS und des Krankenhauses – widmete sich der zudem als Oberarzt an der neurologischen Klinik Ibbenbüren Praktizierende dem Thema Kopfschmerz und ging insbesondere auf das Kapitel Migräne ein. An ihr leiden 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen, mehr Frauen als Männer, sowie drei bis zehn Prozent aller Kinder.
„71 Prozent der Deutschen geben an, dass Kopfschmerzen für sie im Leben ein Problem darstellen“, sagte Hense. Wenn sie vermehrt und verstärkt auftreten, kommt vielen Menschen der Gedanke an einen Gehirntumor. „Als erstes Symptom ist Kopfschmerz in diesem Fall aber eher ungewöhnlich“, erklärte Hense. Bei Schmerzen im Kopf handele es sich zumeist um eine eigenständige Erkrankung, deren Grund sich nach erfolgter Untersuchung auch benennen lässt: „Bei 95 Prozent aller Patienten kann die Ursache des Schmerzes geklärt werden.“ Dazu zählen beispielsweise Arterienentzündungen, Verstopfung einer Hirnvene durch ein Blutgerinsel, Hirnhautentzündung oder Blutergüsse am Kopf nach Unfällen.
Was die Migräne auslöst, ist weitgehend unbekannt. Laut Hense gibt es Theorien, aber keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse. „Migräne wird einem quasi in die Wiege gelegt“, nannte der Facharzt den erblichen Faktor, der in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielt. Typisch für eine Migräne seien Attacken, die in den allermeisten Fällen vier bis acht Stunden anhalten, längstens einen Tag, seltener darüber hinaus. Patienten könnten unter Umständen bis zu maximal viermal im Monat davon heimgesucht werden. Sehstörungen, Hunger auf bestimmte Nahrungsmittel oder Stimmungsschwankungen zählen zu den Vorboten dieses Schmerzangriffs. „Man fühlt, es kommt wieder.“
Als präventive Maßnahmen gegen Kopfschmerzen generell empfahl Hense die „Psycho-Hygiene“. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Ausdauersport, Bewegung an frischer Luft, gegebenenfalls eine Gewichtsreduktion und ein Stressbewältigungstraining seien zur Vorbeugung gut geeignet.
Freitag, 11. Juni 2010, Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
"Migräne wird in die Wiege gelegt"
Ochtrup. Kopfschmerzen sind ein verbreitetes Übel. Deutschlandweit haben etwa 70 Prozent diese Schmerzen schon am eigenen Kopf erfahren. „Pochend, bohrend, drückend, pulsierend oder stechend“, beschrieb Dr. Dieter Hense den Anwesenden im Café des Pius-Hospitals die plagenden Schmerzen. Der Facharzt für Neurologie und Oberarzt der Neurologischen Klinik Ibbenbüren referierte am Mittwoch im Rahmen der „Visite am Abend“ über die vielfältigen Arten, Ursachen und Therapien von Kopfschmerzen.
Die häufigste Form sei der Spannungskopfschmerz. Er drückt gegen Schläfen, Stirn und Hinterkopf, kann eine leichte Übelkeit auslösen und wird oft mit Migräne verwechselt. Auslöser des Spannungsschmerzes sind in der Regel Schlafmangel, seelische Anspannung und Stress. Dr. Hense empfahl den Betroffenen eine gesunde Lebensführung, Entspannungsübungen, Stressbewältigungstraining, einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und Ausdauersport in frischer Luft. Im Akutfall macht Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen den Schmerz erträglicher, war ein Tipp des Arztes. „Viele Patienten“, so Dr. Hense weiter, „leiden an einer Kombination aus Spannungskopfschmerz und Migräne.“
Migräne war das Schwerpunktthema der Visite am Abend. Der Facharzt skizzierte sie als heftigen Kopfschmerz, der periodisch auftritt und den Betroffenen stark belastet. Die Schmerzattacken gehen in der Regel mit Übelkeit und Lichtscheu einher und künden sich mitunter durch Gereiztheit, Stimmungsschwankungen und Müdigkeit an. Auch Sehstörungen können ein Vorbote sein. „Der Patient sieht Zacken“, umschrieb der Fachmann die Symptome. „Migräne wird in die Wiege gelegt“, wies Dr. Hense auf die genetische Ursache hin. Allen Kopfschmerzpatienten gab der Arzt den Tipp, ein Tagebuch über ihre Schmerzen zu führen. Das erleichtere Diagnose und Behandlung.
In manchen Fällen sind Kopfschmerzen auch Symptom einer gefährlichen Erkrankung. Ein plötzlich auftretender heftiger Kopfschmerz könnte zum Beispiel auf eine Hirnblutung oder Verstopfung einer Hirnvene hinweisen. „Bei 95 Prozent der Patienten wird die Ursache für den Kopfschmerz geklärt“, bemerkte Dr. Hense. Die Anwesenden nutzten die kostenlose Sprechstunde der Veranstaltung des Pius-Hospitals in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule durch gezielte Fragestellungen an den Neurologen.
Dienstag, 11. Mai 2010, Tageblatt Ochtrup (eigener Bericht)
Liebe hinter Stiftsmauern
Ochtrup. Die jungen Studierenden der „Kleinen Bankakademie“ besuchten jetzt auf ihrer zweiten Exkursion das Damenstift in Asbeck und schnupperten dort die Atmosphäre eines mittelalterlichen Klosters. „Natürlich achteten die Äbtissinnen darauf, dass ihr Klosterbetrieb solide arbeitete und den Damen des Stifts ein angenehmes Auskommen bescherte“, schreibt die Volkshochschule (VHS), die die „Kleine Bankakademie“ in Kooperation mit der Volksbank Ochtrup anbietet, in einer Pressemitteilung. Darüber hinaus erfuhren die Mädchen und Jungen von der adeligen Stiftsdame Therese von Zandt, die sich heftig in den Komponisten Ludwig van Beethoven verliebt hatte und dessen Muse für die Opernfigur Leonore, die Titelgestalt seiner einzigen Oper Fidelio, gewesen ist.
Die „Kleine Bankakademie“ geht bereits ins dritte Jahr und erfreut sich wachsender Beliebtheit bei Kindern zwischen acht und zwölf Jahren. Sie steht 2010 unter dem Oberthema „Burgen, Schlösser und Klöster unserer Heimat“. Im zweiten Halbjahr geht es zum Augustinerinnenkloster Langenhorst und zum Damenstift nach Metelen.
1. Mai 2010, Tageblatt Ochtrup (Anne Steven)
Auf zur Mutter aller Wahlen
Ochtrup. „Gehen Sie ruhig wählen, es hat absolut keine Folgen für Sie.“ Als Thilo Seibel und Martin Maier-Bode zu diesem Schluss kamen, lagen die meisten Gäste ihres Wahlkampfkabaretts bereits den Tränen nahe lachend über ihren Stuhllehnen. Das Publikum machte mit den beiden Kabarettisten am Donnerstagabend in der Villa Winkel einen gnadenlosen Streifzug durch die Welt der Wahlkämpfer mit: Abwechselnd wurden politische Parteien auf die Schippe genommen sowie die dunklen Geheimnisse ihrer Mitglieder aufgedeckt. Und die Kabarettisten folgerten: NRW kann durchaus als Krisengebiet durchgehen - zumindest für die CDU.
Nun kam die anstehende Wahl auf den Kabarett-Tisch. Eine „epochale Wahl“, wie die Protagonisten feststellten. Die „Mutter aller Wahlen“ quasi - weil entweder die weiterhin regieren, die es ohnehin schon tun, oder eben die anderen.
Die SPD habe indes mit der Krise der Regierungsparteien nicht allzu viel anfangen können. „Da tritt doch die Frau Kraft vor die Presse und sagt, natürlich könne sie sich - genauso wie Herr Rüttgers - Zwangsarbeit für Hartz-IV- Empfänger vorstellen.“ Laut brüllend ob dieses wenig durchdachten Auftritts der SPD-Spitzenkandidaten tobte Kabarettist Thilo Seibel über die Bühne. Aber auch der „nette Herr Rüttgers“ habe durchaus seine dunklen Geheimnisse. Gnadenlos ließ Seibel Rüttgers Berater als Zuhälter der CDU dastehen, der seinen Ministerpräsidenten verkauft. Oder ist Jürgen Rüttgers in Wirklichkeit doch nur Hape Kerkeling mit Maske?
Gekonnt schmückten die beiden Kabarettisten ihren Auftritt mit Imitationen führender NRW- und Bundespolitiker aus. Die einzige Koalition, die nicht regierungsfähig sei - so der Schluss -, sei in jedem Fall Schwarz-Gelb. Das hätten CDU und FDP in letzter Zeit eindeutig bewiesen.
Da helfe nur der Sprung ins Parlament mit einer Splitterpartei - beispielsweise einer „fundamental vernagelten Partei Deutschlands“. Die spreche sich übrigens für die Abschaffung aller Gehsteige aus, damit diese nicht länger von Hundekot verunreinigt werden können. Doch der Weg nach Berlin, so Seibel und Maier-Bode, ist hart und steinig. Da sei es doch einfacher, den bereits etablierten Politikern selbst Versprechen in den Mund zu legen - und andere zu untersagen. Bei einer sich anschließenden Rede Thilo Seibels wurde dieser Ansatz gleich mal auf die Probe gestellt: Das Publikum durfte mitentscheiden, was der Kabarettist in der Rolle des Politikers als Wahlversprechen abgab. Martin Maier-Bode fungierte als „Mann im Ohr“ und gab aberwitzige Forderungen der Besucher weiter.
Ein herrlich komischer Abend, bei dem vielleicht auch der ein oder andere Politiker hätte anwesend sein sollen. Allein schon, um im Wahlkampfstress ein wenig auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden und den sprichwörtlichen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Und vielleicht auch, um ein klein wenig lockerer zu werden und über sich selbst lachen zu können.
11. März 2010, Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Es war wie Hexenjagd
Ochtrup. Unbegreiflich, dieses menschenverachtende und brutale Vorgehen der Gestapo. Es ging unter die Haut, was die Historikerin Dr. Gisela Schwarze den Besuchern der „Woche der Brüderlichkeit“ Dienstagabend in der Villa Winkel über die Schicksale jugendlicher Frauen während des Zweiten Weltkrieges berichtete. Wer dem Bild der deutschen Frau nicht entsprach, wurde diffamiert. Frauen, die hungrigen Zwangsarbeitern aus Mitleid ein Brot zusteckten, wurden verhaftet und landeten im Konzentrationslager. Ein normales Verhalten in einer anormalen Gesellschaft, in der selbst Nachbarn und Bekannte zu Denunzianten wurden.
„In jedem Ort gab es diese Schlüsselfiguren, die der Gestapo Informationen zukommen ließen. So funktionierte das Terrorsystem“, erklärte Gisela Schwarze. In ihrem Buch „Es war wie Hexenjagd“ hat sie die vergessen gemachte Verfolgung ganz normaler Frauen aufgearbeitet.
Protagonistin Maria, die mit ihren zehn Geschwistern auf einem Köttershof in Asbeck lebte, war eines dieser Opfer. Als Elfjährige verlor sie ihre Eltern. Der Ortsbauernführer wurde ihr Vormund. Weil sie mit Florian, einem polnischen Zivilarbeiter, im Dorf geredet hatte, unterstellte die Gestapo ihr „Geschlechtsverkehr mit Ausländern“, formulierte ein schriftliches Geständnis und zwang das 14-jährige Mädchen zur Unterschrift. „Dieses Vorgehen der Gestapo war üblich. Sie prügelte die Geständnisse aus den Mädchen heraus“, erzählte Schwarze. Auch zwei weiteren jungen Frauen aus Asbeck wurde „Rassenschande“ vorgeworfen. Wie Maria erfuhren sie die menschenunwürdigen Behandlungen der Gestapo und kamen schließlich ins KZ Uckermark.
Der kleine aber sehr interessierte Zuhörerkreis von 15 Besuchern hörte gebannt zu, als Gisela Schwarze Marias Geschichte erzählte. Das Schicksal der Asbeckerin und ihrer beiden Freundinnen löste Entsetzen und Betroffenheit aus. „Hat Maria Wiedergutmachung erfahren?“, wollten die Anwesenden in der anschließenden Diskussion wissen. Nach einer Odyssee durch mehrere Landesministerien, so Schwarze, hätten Maria und die beiden anderen Frauen je 5000 D-Mark bekommen. Die Traumata ihrer Jugend aber würden sie durchs Leben begleiten.
Maria, die inzwischen über 80 Jahre alt ist, hat sich ihrem Ehemann und ihrer Familie anvertraut. „Dadurch, dass die Familie sie mit Herzlichkeit umgibt, hat sie wieder Boden unter die Füße bekommen. Aber Angstträume hat sie noch heute“, weiß Gisela Schwarze. Für die anderen beiden Frauen hingegen blieben die bösen Erlebnisse der Vergangenheit ein Tabuthema, das sie selbst ihren Ehemännern gegenüber verheimlichten.
9. März 2010, Münstersche Zeitung (Elvira Meisel-Kemper)
Mit Melancholie und Witz
Ochtrup. Die Woche der Brüderlichkeit gehört zum festen Programm im Kulturkalender Ochtrups. Zum 23. Mal wurde die Veranstaltungsreihe der Volkshochschule in der Alten Kirche in Welbergen eröffnet. Die Musik von Esther Lorenz (Gesang) und Peter Kuhz (Gitarre) sorgte für die Entspannung zwischen den Rednern auf der Eröffnungsveranstaltung der Woche der Brüderlichkeit 2010.
„Haben wir unsere traditionellen Maßstäbe verloren, müssen wir neue suchen“, regte Bürgermeister Kai Hutzenlaub zur Begrüßung und Einstimmung in der vollbesetzten Kirche an. Dazu gehöre auch, nicht nur das Verhältnis zwischen Christen und Juden immer wieder neu zu überdenken, sondern auch das Verhältnis zu den muslimischen Mitbürgern.
Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, griff in seinem Festvortrag „Verlorene Maßstäbe“ das Motto der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit auf. Er erinnerte daran, dass es die Woche der Brüderlichkeit seit 1953 gebe. Dazu habe auch Konrad Adenauer den Weg geebnet. 1946 habe Adenauer bereits die „Götzenerhebung“ gegeißelt und damit den „Verlust christlicher Ethik“. Auch sei es Adenauer gewesen, der am 14. März 1960 als erster deutscher Politiker nach 1945 den israelischen Premierminister David Ben Gurion empfangen hat. „Ich wäre 1960 gern dabei gewesen“, schwärmte Laumann von diesem historischen Moment.
Christliche Ethik wurde gegen ein totalitäres Regime ausgetauscht
„Die Nationalsozialisten waren keine Naturkatastrophe in Deutschland. Christliche Ethik wurde gegen ein totalitäres Regime ausgetauscht“, so Laumann. Es waren deutliche Worte altbekannter Tatsachen, die nicht oft genug wiederholt werden können. Er forderte das Publikum auf zu Brüderlichkeit, Menschlichkeit und Respekt vor dem Anderen: „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass sich so etwas nicht wiederholt.“ Bundes- und münsterlandweit bilanzierte Laumann, „dass trotz aller Verfolgungen die jüdische Kultur überlebt hat“.
7.700 Mitglieder der jüdischen Gemeinde leben wieder in Westfalen-Lippe. Kardinal Clemens August Graf von Galen und Papst Paul Johannes II. stellte er in ihrem Einsatz für Juden als Beispiel für christliches Handeln voran. „Für mich ist entscheidend, dass der Mensch im Mittelpunkt der Politik steht“, sagte Laumann zu einer christlich geprägten Politik der Verständigung.
Lieder aus Israel
Die Musik von Esther Lorenz (Gesang) und Peter Kuhz (Gitarre) sorgte für die Entspannung zwischen den Rednern. Mit ihren Liedern der sephardischen Juden Spaniens und Liedern aus Israel erweckten sie die jüdische Kultur zu neuem Leben.
Die besungene Sehnsucht nach dem gelobten Land führte zu melancholischen Klängen, während weltliche Themen – wie die Liebe – auch den jüdischen Witz in sprühender Lebendigkeit zu Gehör brachten. Beifall belohnte die Musiker, Redner und Veranstalter. VHS-Leiter Guido Dahl blieb da nur noch ein „Dankeschön“.
4. März 2010, Tageblatt Ochtrup (Anne Steven)
Vorsorge ist das A und O
Ochtrup. „Vergessen Sie rote Beete“, macht Dr. Ralf Keller unumwunden klar. Der Chefarzt des Mathias-Spitals in Rheine und Facharzt für Innere Medizin, weiß, welche Ausreden Menschen erfinden, die Blut in ihrem Stuhlgang feststellen. Aber sowohl Blut als auch eine Dunkelfärbung des Stuhls können Anzeichen für Darmkrebs sein. Am Mittwochabend referierte Keller zu diesem Thema im Rahmen der „Visite am Abend“ im Pius-Hospital.
Tückisch am Darmkrebs sei, dass er zunächst keinerlei Beschwerden verursache und so oft jahrelang unerkannt wachsen könne, so der Mediziner. Träten dann erste Anzeichen wie Blut im Stuhl, Müdigkeit, krampfartige Bauchschmerzen, starker Gewichtsverlust oder extremer Wechsel von Durchfall und Verstopfung auf, sei es für eine Heilung meist schon zu spät.
In Deutschland sterben jährlich 7000 Menschen im Straßenverkehr. Fünf mal so viele, nämlich 35000, sterben an Darmkrebs. Deshalb setzt Keller sich ebenso wie die Stiftung „LebensBlicke“ für die Früherkennung von Darmkrebs ein. Seit 2002 gibt es ein neues Vorsorgesystem. Demnach steht jedem ab dem 56. Lebensjahr eine Darmkrebsvorsorgeuntersuchung zu. Diese wird in Form einer Darmspiegelung durchgeführt. „Ist diese ohne Befund, hat der Patient zehn Jahre seine Ruhe“, erklärt Keller. Denn Darmkrebs entwickelt sich in den meisten Fällen aus den normalerweise ungefährlichen Polypen auf der Schleimhaut im Darm. Durch Zellveränderungen können Tumore an diesen Stellen entstehen. Während der Darmspiegelung lassen sich Polypen unkompliziert und für den Patienten vergleichsweise ungefährlich entfernen. Die Akzeptanz dieser Vorsorgeuntersuchung ist in Deutschland allerdings noch sehr gering. Bis 2006 wurden nur knapp drei Millionen Untersuchungen durchgeführt, was einem Anteil von nicht mal zehn Prozent der Patienten mit Anspruch auf eine solche Untersuchung entspricht.
„Tun Sie sich etwas gutes und gehen sie zur Vorsorge“, riet Keller seinen Zuhörern. Die Überlebenschance bei einem unbehandelten Darmkrebs sei sehr gering, die meisten Patienten würden keine fünf Jahre überstehen, so der Experte. Neben der Vorsorge sei eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung mit wenig Fett ebenso wichtig wie genügend Bewegung und Sport. „Meiden sie Alkohol, Zigaretten, fettes Essen und beispielsweise rotes Fleisch“, riet Keller zudem. Darmkrebs sei durchaus heilbar, aber nur wenn er früh genug erkannt werde. Und das wird er in Deutschland immer öfter. Trotzdem nimmt Darmkrebs im Sterblichkeitsranking der verschiedenen Krebsarten sowohl bei Frauen als auch bei Männern den zweiten Platz ein. Durch Forschung und Entwicklung gibt es mittlerweile verbesserte Therapiemöglichkeiten, aber am wichtigsten ist und bleibt die Vorsorge und die damit verbundene Früherkennung.
22. Februar 2010, Tageblatt Ochtrup
Stolpersteine werden geputzt
Ochtrup. Die Stolpersteine, die in Ochtrup an die Opfer des Holocaust erinnern, brauchen einen Frühjahrsputz. Aus Anlass der Woche der Brüderlichkeit in Deutschland hat sich die Malteserjugend als Patinnen und Paten für die Stolpersteine zur Verfügung gestellt. Sie wird sich bei den Steinmalen zusammenfinden, um diese zu reinigen und den ermordeten Mitbürgerinnen und Mitbürgern unserer Stadt zu gedenken. Für die Malteserjugend ist dies nicht nur eine Möglichkeit sich zu treffen: „Es ist wichtig, dass wir uns darum kümmern“, meinten sie.
„Hier in Ochtrup wohnten 19 Menschen, von denen wir wissen, dass sie Opfer des schrecklichen Naziregimes wurden“, heißt es im Aufruf des Stadtbeauftragten Franz-Heinz Duesmann an seine Malteserjugend. Am 16. August 2007 wurden seinerzeit auf Initiative der Volkshochschule von dem Kölner Künstler Gunter Demnich zum ersten Mal 7 Stolpersteine für die jüdische Familie Lebenstein (Mühlenstraße) und Terhoch (Weinerstr. 21) verlegt. In 2008 folgten 9 weitere Steinsetzungen für die jüdischen Familien Gottschalk (Bültstr. 10), Portje (Prof.-Gärtner-Str. 44), Löwenberg (Lautstr. 5) und für die Gebrüder Weijl (Bahnhofstraße). Im Anschluss daran fand eine Einweihungs- und Gedenkfeier in der Villa Winkel statt.
Mit diesen Gedenktafeln wird an das Schicksal der Menschen erinnert, die von Nationalsozialisten ermordet oder in den Freitod getrieben wurden. Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen.
Die Intention des Künstlers ist unter anderem, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Trotz des Namens Stolpersteine geht es ihm nicht um ein tatsächliches „Stolpern“. Gunter Demnich zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gerne einen Schüler, der nach der Stolpergefahr gefragt, antwortete: „Nein, nein man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“
10. Februar 2010, Tageblatt Ochtrup
Erfolgreich deutsch gelernt
Ochtrup. Prüfung erfolgreich bestanden: Mit der Übergabe der Zertifikate endete der 645 Unterrichtsstunden umfassende vierte Integrationskursus der Volkshochschule in Ochtrup. Wie die Einrichtung in einem Pressetext mitteilt, sei das zentrale Element dieses Seminars (ein Angebot des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule) das Erlernen der deutschen Sprache. „Sie ist der Schlüssel zur Integration und soll Zuwanderern eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben in Deutschland ermöglichen“, heißt es wörtlich.
Verantwortlicher Deutschlehrer für die Integrationskurse ist Theo Markgraf, der zurzeit den fünften Kursus mit Teilnehmern aus elf Nationen auf dessen Prüfung im November vorbereitet. Weitere Kooperationspartner sind die Stadt, die Gemeinden, die GAB und das Ausländeramt des Kreises. Infos: VHS (Telefon 02553/93980)
5. Januar 2010, Tageblatt Ochtrup
Mit dem Alter steigt das Risiko
Im Café des Pius-Hospitals war am Mittwochabend Stühlerücken angesagt. Mit der „Visite am Abend“ hatten die Veranstaltungspartner Volkshochschule und Pius-Hospital wieder eine große Besucherschar angelockt. Der Chefarzt des Hauses, Dr. Absi Hajooze, klärte die Zuhörer über Alarmsignale, Risikofaktoren und vorbeugende Maßnahmen auf, um einen Schlaganfall zu verhindern. Verstopfte Gefäße sind in 80 Prozent der Fälle die Ursache für diese Erkrankung, die im Gehirn ausgelöst wird. Dabei kommt es durch ein Blutgerinnsel zu einem Hirninfarkt. 20 Prozent der Schlaganfälle entstehen durch eine Hirnblutung etwa nach einem Unfall, durch starken Bluthochdruck oder Platzen eines Hirngefäßes.
„Im fortgeschrittenen Alter steigt das Schlaganfallrisiko“, erklärte der Arzt und nannte neben der genetischen Veranlagung als weitere Risikofaktoren Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Cholesterinspiegel, Herzrhythmusstörungen mit Vorhofflimmern und Übergewicht. „Alter und Erbanlagen kann man natürlich nicht beeinflussen. Aber die anderen Erkrankungen lassen sich medikamentös behandeln. Natürlich muss der Patient auch durch seine Lebensweise mitwirken“, machte Dr. Hajooze deutlich. Wer sich also regelmäßig bewegt und ausgewogen ernährt, wer Übergewicht abbaut, seinen Blutdruck niedriger als 140/90 hält, auf Zigaretten verzichtet und den Alkoholkonsum auf ein gelegentliches Minimum beschränkt, der beugt dem Schlaganfallrisiko optimal vor.
Die Frage einer Besucherin, ob man bei genetischer Veranlagung vorsorglich Blutverdünner nehmen könne, verneinte Dr. Hajooze. Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Anwesenden die „kostenlose offene Sprechstunde“ im Pius-Hospital und richteten viele Fragen an den Chefarzt.
2. Januar 2010: Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Und auf geht´s durch den Schnee!
Ochtrup. Zwanzig Minuten vor dem Start sieht es noch ziemlich mager aus. „Das Wetter könnte viele mögliche Teilnehmer abhalten“, meint Heinz Ahlers. Dann aber kommen sie aus allen Richtungen. Junge und Ältere, Jogger, Walker und Nordic Walker steuern am Silvestertag kurz vor 13 Uhr die Villa Winkel an. Mehr als 120 Leute gehen an den Start beim diesjährigen Silvesterlauf des Lauftreffs Ochtrup. Dabei hatte das zehnköpfige Organisationsteam noch am Morgen überlegt, den Lauf aufgrund des nicht gerade freundlichen Wetters abzublasen.
Bevor es losgeht, weist Ahlers die Läufer auf mögliche Glätte hin, warnt vor Selbstüberschätzung und schickt ein paar Instruktionen mit auf den Weg. Und auf geht´s durch den Schnee. Zwölf, sieben oder fünf Kilometer. Je nach Bewegungsfreude oder Kondition. In der Winkelvilla ist es plötzlich ruhig. Nur ein paar jugendliche Helfer sind zurückgeblieben und bereiten alles vor, damit die Teilnehmer nach der Rückkehr mit Glühwein und Erfrischungsgetränken versorgt werden.
Nach etwa 20 Minuten treffen die ersten Jogger ein. Gut gelaunt und keineswegs atemlos. „Fünf Kilometer joggen, das war locker zu schaffen“, sagt Veit Kuhlbusch. Der 13jährige war das erste Mal dabei. Mit Hund. Der Vierbeiner hat die Strecke an diesem Tag ebenfalls ohne Knurren bewältigt. Dorothee Rößmann gehört zu den „alten Hasen“ des Silvesterlaufs. „Wir hatten unterwegs viel Spaß. Überhaupt ist diese Aktion eine tolle Idee und ein schöner Jahresabschluss“, findet sie. Auch Elke Patberg und ihr Mann sind froh, dass in Ochtrup so etwas geboten wird. „Wir sind im August von Recklinghausen hierher gezogen. In Recklinghausen gab es so etwas auch“, bemerkt Elke Patberg, die in ihrem früheren Wohnort mehrfach die Stadtmeisterschaft beim Silvesterlauf holte. So legt die Walkerin auch in Ochtrup ein beachtliches Tempo vor und überholt sogar einen Jogger. Der nimmt es allerdings sportlich und mit Humor.
„Bei uns“, sagt Heinz Ahlers, „geht es sowieso nicht um Sieg.“ Spaß an der Bewegung und ein bisschen Geselligkeit zum Jahresausklang, das sei der Grundgedanke des Ochtruper Silvesterlaufs, den das Organisationsteam aus den Reihen des Lauftreffs Ochtrup im Jahr 2001 das erste Mal mit 20 Teilnehmern startete. „Mit dieser Aktion haben wir eine echte Lücke gefüllt“, freut sich Ahlers über die zunehmende Resonanz und lobt die gute Zusammenarbeit innerhalb des Teams sowie mit der Volkshochschule und dem Malteser Hilfsdienst (MHD). „Im Alleingang könnte man so etwas nicht durchführen“, betont Ahlers. Nach einer guten Stunde sind alle Läufer und auch die MHD-Helfer samt Begleitfahrzeugen zurück. „Obwohl es glatt war, ist alles glatt verlaufen. Keiner ist gestürzt, und schlapp gemacht hat auch niemand“, berichtet MHD-Mitarbeiter Andre Schoo. 447 Euro ist der Erlös des diesjährigen Silvesterlaufs. Mit dem Geld wird Karla Schefters Krankenhausprojekt in Afghanistan unterstützt.
4. Januar 2010, Münstersche Zeitung (Philip Schüller)
120 Läuferinnen und Läufer trotzten dem Schnee
Ochtrup. Zum mittlerweile 9. Mal lud der Ochtruper Lauftreff am 31. Dezember zum Silvesterlauf ein. Was sich in den letzten Jahren zu einem richtigen Event entwickelt hat, hat im Jahr 2001 ganz klein angefangen: Knapp 20 Läufer trafen sich damals, um das Sportjahr 2001 ganz locker abzuschließen.
Damals wie heute ging es vor allem um die Geselligkeit, weswegen auch weder Startgeld erhoben noch Preise vergeben werden. Dies ist auch der guten Kooperation mit der Ochtruper Volkshochschule zu verdanken. Über Bernd Klävers, den stellvertretenden Leiter der VHS, bekommen die Läufer jedes Jahr die Villa Winkel bereitgestellt, um sich dort zu treffen.
Genau so wichtig sind auch die Helfer von den Maltesern, die bei Notlagen oder Unfällen sofort medizinische Hilfe leisten. "Wir hoffen aber natürlich, dass das nicht nötig ist", so Heinz Ahlers, Mitglied des Organisationsteams. Da keine Startgebühren genommen werden, ist es nicht verwerflich, um eine Spende zu bitten. Die Spendengelder sowie alle Einnahmen aus•dem Getränkeverkauf gehen direkt an das Krankenhaus unter der Leitung von Karla Schefter in Afghanistan. Im letzten Jahr kamen 560 Euro zusammen, eine Summe, die dort eine Menge bewegen kann.
Der Lauf selber war in diesem Jahr etwas schwieriger als sonst. Wegen des plötzlichen Schneefalls sagten viele Läufer kurzfristig ab. Viele kamen dennoch – ungefähr 120 Teilnehmer ließen sich nicht von den Witterungsverhältnissen abschrecken, unter ihnen auch der 43-jährige Matthias Dankbar. 2005 lief er zum ersten Mal mit, was ihm so positiv in Erinnerung blieb, dass er jedes Jahr, wenn er in der körperlichen Verfassung dazu war, die Gelegenheit nutzte, um wieder zu laufen. Er ist kein Mitglied des Lauftreffs, sondern läuft privat mit Freunden. "Es macht einfach Spaß, auch weil es so ungezwungen ist." In seiner Eröffnungsrede wies Heinz Ahlers daraufhin, dass natürlich die Straßenverkehrsordnung beachtet werden muss und man äußerst vorsichtig laufen sollte. Nach der kurzen Rede wurden die Läufer mit dem Startschuss gegen 13 Uhr losgeschickt. Drei bunt gemischte Gruppen mit verschiedenen Streckenlängen liefen los. Ältere und Jüngere, Männer und Frauen, und sogar ein Hund liefen mit. Auch die Laufstile waren sehr unterschiedlich, Walker, Jogger und Nordic Walker waren unterwegs. Nach einer Dreiviertelstunde kamen schließlich die Ersten von ihnen ins Ziel. Nach und nach trafen schließlich alle Läufer ein, um bei einem Getränk und einem Gespräch den Lauf ausklingen zu lassen.
23. Dezember 2009: Tageblatt Ochtrup (eigener Bericht)
Schlusskommers der kleinen Bankakademie
Ochtrup. Insgesamt 27 Mädchen und Jungs im Alter zwischen 8 und 12 Jahren erhielten am Dienstag ihre Zeugnisse aus der Hand von Bankdirektor Hans-Jürgen Kreitschinski. Ihnen wurde der erfolgreiche Besuch von mindestens 4 von 6 Vorlesungen an der diesjährigen ‚kleinen Bankakademie’ zum Oberthema „Das Wirtschaftsleben in Ochtrup – wie es war und was es ist“ bescheinigt. Das Projekt „studium schnupperale“ – wie es auch von seinen Trägern genannt wird - ist in weitem Umkreis von Ochtrup einmalig; es wurde vor drei Jahren von der Volkshochschule in Kooperation mit der Volksbank Ochtrup eG aus der Taufe gehoben und zählt heute zum kulturellen Standard in der Stadt.
Die Heimat der ‚kleinen Bankakademie ist seit ihrem Bestehen die Volksbank an der Bergstr. 6. Seit ihrer Neueröffnung im November verfügt diese mit ihrem Business-Center über einen höchst modernen Vorlesungsraum mit allen technischen Schikanen. Den Jungstudentinnen und Jungstudenten kann es nur recht sein.
„Ihr seid unsere liebsten Gäste“ hieß Kreitschinski die Studenten in seinen Räumen willkommen und überreichte ihnen gemeinsam mit VHS-Direktor Guido Dahl ihre Urkunde.
Die Jungstudierenden lernten im Studienjahr 2009 die Produkte der mittelständischen Betriebe in Ochtrup kennen, voran den Kunststoff, „ein Stoff der Träume wahr werden lässt“ und die Artikel der Feucht-Hygiene-Werke. Die gemeinsame Deutung des Kachelbilds von Hubertus Brouwer in der Volksbank machte sie zunächst mit Ochtrups Traditionsgewerbe Landwirtschaft, Töpferei und Weberei bekannt, bevor dann in Einzelvorlesungen namhafte Dozenten und Professoren ins einzelne gehen konnten.
In kurzen Worten stellte Dahl die Themen der Ringvorlesung im kommenden Studienjahr vor. Sie widmet sich dem Thema „Burgen, Schlösser und Klöster unserer Heimat“. Die Jungstudierenden sind eingeladen, an Exkursionsfahrten zur Burg Bentheim, zum ehemaligen Damenstift Asbeck, zum Schloss Steinfurt, zum Kloster Langenhorst und zum Damenstift Metelen teilzunehmen. Sie werden vor Ort sachkundig von kompetenten Dozenten und Dozentinnen unterrichtet. Dank der Zusammenarbeit mit der Volksbank eG sind die Exkursionen kostenfrei.
26. November 2009: Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Bei Merkels unterm Sofa
Ochtrup. „Hier ist ja eine Stimmung wie beim Quelle-Opel-Betriebsausflug“, ruft Simone Solga dem Publikum zu, als sie die Bühne betritt. Und flugs steigt am Dienstagabend das Gute-Laune-Barometer in der Villa Winkel in die Höhe. Kein Wunder, bei den messerscharf geschliffenen politischen Gags, die Angela Merkels Souffleuse zum Besten gibt. In atemberaubendem Sprachtempo berichtet sie, wie Karl-Theodor zu Guttenberg mit seinem „grundierten Fundwissen der Master of Disaster“ wurde, dass Kanzleramtsminister Pofalla so heißt wie er spricht und eigentlich hinter der Supermarktkasse sitzen sollte, und dass in Brüssel das Endlager für ausgebrannte Ministerpräsidenten ist.
Bei Simone Solga bekommen alle Politiker ihr Fett weg. Auch Guido (Sch)Westerwelle. Aber nicht nur, weil er für den Christopher-Street-Day einen festen Termin fordert: „Dieser gelbe Sack hat uns die höheren Müllgebühren eingebläut. Aber bei Westerwelle habe ich die Hoffnung, dass er irgendwann seine Perücke absetzt und Harpe Kerkeling kommt zum Vorschein.“
23. November 2009: Münstersche Zeitung (Elvira Meisel-Kemper)
Risch und Groß feiern Gala-Erfolg
Ochtrup. Der beeindruckende Tenor von Johannes Groß klingt vielleicht noch vom letzten Jahr im Ohr, als er mit den German Tenors die Kulturtage in Ochtrup bereicherte. Jetzt trat er als Solist auf zusammen mit Susanna Risch, die mit ihrem Sopran nicht minder begeisterte.
Beide zauberten am Wochenende gleich zwei Mal die Große Musikgala in das Volksbank-Business-Center. Die Mischung von Melodien aus Opern, Operetten und Chansons gehört zu den gelungenen Angeboten der vielseitig gestalteten Kulturtage der Volkshochschule, die langsam zu Ende gehen.
Der große Sturm auf die Karten setzte trotzdem nicht ein, so dass Veranstalter und Künstler sich am Samstag mit der Hälfte von rund 140 erhofften Besuchern begnügen mussten. Die zweite Vorstellung am Sonntag war deutlich besser besucht. Der Qualität des Programms schadete das jedoch nicht.
Handkuss und Schmuseeinheit von den beiden Künstlern
Im Gegenteil: Da beide Sänger nach ihrem gesungenen Part auch schon mal durchs Publikum wirbelten, kamen mehrere Personen in den Genuss eines galanten Handkusses von Groß oder einer charmanten Schmuseeinheit von Risch. Jan Kirschniok begleitete die Sänger am Klavier und glänzte mit Solostücken.
Mit Humor und kleinen Geschichten ergänzte Groß die Gala auf unterhaltsame Weise: Das Gespräch an der Bar eines Kreuzfahrtschiffes belustigte alle. Groß traf als gebürtiger Dortmunder einen anderen Dortmunder, der ihm stolz erzählte, dass Bizet eine Oper für den Ort Kamen geschrieben habe. Die deutliche Aussprache des Originaltitels hätte das vielleicht verhindert, der Lacherfolg wäre dann allerdings auch dahin gewesen.
Zu jedem Lied ein neues Kleid
Groß sah dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge und sang lieber wahrhaftige Oper. Ein Stück aus Puccinis Oper „Tosca“ ließ erahnen, wo die wahre Qualität seiner Stimme liegt. Risch präsentierte zu jedem Lied ein neues Kleid, das bereits einiges über den Inhalt des Liedes aussagte. Der Kusswalzer „Il bacio“ von Luigi Arditi gehört offenbar zu ihren Spezialitäten.
Auch Franz Lehars Komposition über Lippen, die so heiß küssen können, glaubt man ihr bei der schauspielerischen Glanzleistung aufs Wort. In den Duetten der beiden ging es ebenfalls um die Liebe, die in Opern und Operetten neben Eifersucht und Mord die wichtigsten Stoffe bietet. Begeisterter Beifall belohnte die drei Musiker, welche die Tür zur Oper und Operette weit geöffnet haben.
15. November 2009: Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Ohrenschmaus auf Lauchtörtchen und Applaus
Ochtrup. Mit „Die Pflicht zu trinken, dass ihr´s wisst“, stimmte Eva Lilian Thingbo im glockenreinen Sopran auf einen kulinarisch-musikalischen Leckerbissen der Ochtruper Kulturtage ein. Die Sopranistin der Städtischen Bühnen Münster servierte am Freitagabend im Alten Posthof zusammen mit Christoph Bumm-Dawin (Querflöte) und Birgit-Christine Göbel (Piano) Klassik par excellence. Volkshochschuldirektor Guido Dahl versprach nicht zu viel, als er „anspruchsvolle Klassik zu einem ebenso anspruchsvollen Fünf-Gänge-Menü“ ankündigte. Aus der Küche strömte bereits der Duft nach „Tomatensuppe mit Mozzarellaklößchen“, während Christoph Bumm-Dawin auf der Querflöte eine Sonate in E-moll nach Johann Joachim Quantz erklingen ließ.
Abgestimmt auf das Menü hatte das Ensemble vorwiegend kulinarisch zubereitete Musikstücke im Repertoire, denen Bumm-Dawin und Göbel einige Erläuterungen vorausschickten. Das Genießen dürfte auch bei den Fürstenhöfen des 17. Jahrhunderts schon eine Rolle gespielt haben, wie das Stück von Adam Krieger aussagt, das gleichzeitig Motto des Abends war. „Der Rhein´sche Wein tanzt gar zu fein“. Aber auch eine Kostprobe aus Valentin Rathgebers „Augsburger Tafelkonfekt“ war ein Ohrenschmaus für die etwa 30 Gäste. Musikalische Köstlichkeiten wechselten mit „Lauchtörtchen und geröstetem Schinken“ oder „Edelblattsalaten mit Himbeer-Vinaigrette und Parmesancroutons“.
Das Ensemble kreierte zum vierten Gang verschiedene Pilzvariationen nach einer Komposition von Ernst-Hermann Meyer. Leichter war die Kost, die anschließend aus der Küche kam: Filet von der Dorade an Champagnerschaum, Safranrisotto und Gemüse der Saison.
Ob die Sopranistin zu tief ins Glas schaute, während sich das Publikum den Hauptgang schmecken ließ? Beim nächsten Stück kam sie jedenfalls hereingeschwankt und sang das „Schwipslied“ von Offenbach. Aber der „Rausch“ war nur von kurzer Dauer. Wenige Minuten später trat Eva Lilian Thingbo mit Kochschürze und Kochlöffel auf. Jetzt stand die musikalische Komödie des „Tortebackens“ auf dem Programm. Dabei ging einiges daneben, was beim Publikum für Heiterkeit sorgte. Die Stimmgewalt und das schauspielerische Talent der Sopranistin aber waren genial. Im Alten Posthof stand jedoch keine Torte als Dessert auf der Speisekarte, sondern „Westfälische Quarkspeise mit Pumpernickel“. Als Sahnehäubchen brillierte das Ensemble mit der Kaffeekantate von Johann Sebastian Bach - beendet mit anhaltendem Beifall.
13. November 2009: Tageblatt Ochtrup (Anne Steven)
Was Karl der Große mit NRW zu tun hat
Ochtrup. Es ist die Zeit Karls des Großen, vor über 1200 Jahren. Damals hießen die Menschen, die im Gebiet des heutigen Kreises Steinfurt lebten, noch Sachsen. Sie glaubten an viele Götter - wie Wodan, Freya und Donar. Und sie kämpften in den Sachsenkriegen gegen Karl, der sie christianisieren wollte. Es war eine spannende Zeitreise, auf die Ulrike Karau die Teilnehmer der Kinder-Uni am Donnerstagnachmittag in der Villa Winkel mitnahm. Die Grundschullehrerin und Autorin aus Steinfurt las aus ihrem Buch „Die Kinder vom Sachsenhof“ vor. Und gemeinsam mit den Kindern tauchte sie ein in das damalige Leben.
Sie begleitete ihre Hauptfigur, die kleine Swantje und ihre Familie, erzählte, dass die Sachsen auch einmal England besiedelt haben und begründete damit einleuchtend die Nähe des Deutschen zur englischen Sprache. Schnell fanden die Kinder aktuelle Wörter, die aus der Zeit vor über 1200 Jahren stammen. Beispiel: Das englische Wort für Fenster („window“) kommt von dem Wort „Windauge“. So nannten die Sachsen den Rauchabzug im Wohnhaus. Oder auch die Ähnlichkeit der Wochentage Donnerstag und Freitag mit den Namen der Götter Donar und Freya. Begeistert machten die Kinder mit.
Sie erfuhren, dass ein Giebel aus gekreuzten Pferdeköpfen zur Zeit der Sachsen vor bösen Geistern schützen sollte. „Auch heute findet man diese Pferdeköpfe noch“, erzählt Ulrike Karau. Und den Kindern fällt es auch gleich auf: das Logo der Volksbank. Es ist wohl so, wie Guido Dahl am Anfang der Veranstaltung gesagt hatte: „Geschichte lernt man am besten durch Geschichten“.
Die Geschichte des sächsischen Herzogs Widukind, der gegen die Christianisierung und Karl den Großen in den Krieg zog, begeisterte die Kinder besonders. Der Herzog von Sachsen ließ sich nach seiner Niederlage taufen. Karl der Große soll dabei sein Pate gewesen sein. Als Taufgeschenk übergab ihm der deutsche Kaiser ein weißes Pferd. „Kennt ihr dieses weiße Pferd irgendwo her?“, will Ulrike Karau von den Mini-Studenten wissen. Als sie die Fotos des westfälischen Wappens und der NRW-Landesfahne an die Wand projiziert, fallen die Groschen reihenweise. Natürlich, das weiße Pferd taucht auf beiden Fahnen auf.
Mit der Niederlage der Sachsen gegen Karl beginnt die Christianisierung auch in unserer Gegend. Als die Kinder nach etwas über einer Stunde wieder in die Gegenwart zurückkehren, wirken sie fast ein bisschen enttäuscht, dass die Zeitreise schon zu Ende ist. Aber: Es gibt schließlich das Buch „Die Kinder vom Sachsenhof“ zum Nachlesen, eine Internetseite für weitere Infos und den „echten“ Sachsenhof in der Nähe von Greven, auf dem Führungen angeboten werden.
8. November 2009: Münstersche Zeitung (Elvira Meisel-Kemper)
Ferrari Küsschen: Mehr als eine turbo-lente A-Capella-Show
Ochtrup. Witziger kann ein Auftakt der Ochtruper Kulturtage kaum sein. Als fünf Vollblutmusiker der Gruppe „Ferrari Küsschen“ aus Hannover auf der kleinen Bühne der Villa Winkel standen, da blieb kaum ein Auge trocken. Selbst der rheinländische Humor des VHS-Leiters Guido Dahl wagte nicht mit dieser geballten Ladung zu konkurrieren. Süffisant zugespitzt warnte er zur Begrüßung des Publikums der ausverkauften Veranstaltung eher vor Emotionen von Sehnsucht bis zum Grauen, vor Respektlosigkeit vor Mozart bis zu Tina Turner.
Damit hatte er zu wenig versprochen, denn was Haide Manns, Volker Bublitz, Sylvia Reck, Ulli Meier-Limberg und Margarete Paulmann-Nisters zauberten, war mehr als eine „turbo-lente“ A-Capella-Show. Schräg und überdreht war nicht nur das Äußere der fünf Akteure, sondern auch ihre Parodien auf die „Großen“ der Musikszene und ihre „großen“ Kompositionen.
Die vermutlich erste Weihnachtsfeier des Jahres
„Kling Glöckchen Klingelingeling“ begleitete den Abend als Titelmelodie in allen Varianten. „Vermutlich erleben sie mit uns die erste Weihnachtsfeier des Jahres 2009“, klärte Meier-Limberg das lachende Publikum auf. Die musikalischen Souvenirs aus vergangener Zeit reichten von Prince über Marius Müller-Westernhagen bis zu Tina Turner und griffen sogar auf Heintje´s Hit „Mama“ zurück, den der Tenor Bublitz zu seinem eigenen Hit machte.
10. September 2009: Tageblatt Ochtrup
Bei der Ernährung auch auf Jod achten
Ochtrup. Das Thema „Schilddrüsenvergrößerung und ihre Folgen“ stand am Mittwochabend im Rahmen der Reihe „Visite am Abend“ im Café des Pius-Hospitals auf dem Programm. Eingeladen, um über das Thema zu referieren, war Dr. Stefan Rüther, Leiter der nuklearmedizinischen Abteilung des Mathias-Spitals in Rheine. Tageblatt-Mitarbeiter Josh Groeneveld hat wichtige Aspekte zusammengefasst.
Die Schilddrüse ist ein gerade einmal walnussgroßes Organ, das unterhalb des Kehlkopfes liegt. Die von ihm produzierten Hormone beeinflussen Stoffwechsel, Wärmehaushalt und Wachstum und zeigen zudem auch Auswirkungen auf Herz, Muskeln sowie Knochen. Die Schilddrüse ist auf Jod angewiesen, um diese Hormonproduktion zu ermöglichen. Eindringlich legte Dr. Stefan Rüther deshalb nahe, bei der täglichen Ernährung darauf zu achten ausreichend jodhaltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Komme nämlich der Jodhaushalt in Unordnung, so führe dies zu Erkrankungen der Schilddrüse: Sie schwelle an, vergrößere sich und verursache so etwa Schluckbeschwerden. Desweiteren könne es zu Knotenbildungen kommen, die schweren Einfluss auf die Funktionalität des so wichtigen Organs nehmen können.
Dr. Stefan Rüther unterschied hier die sogenannten „heißen“ beziehungsweise „kalten“ Knoten. Erstere stellen überaktives Gewebe in der Schilddrüse dar, die ungeregelt große Mengen Hormone produzieren und so zu Beschwerden von Schwitzen bis zu Herzrasen sorgen. „Kalte Knoten“ hingegen sind inaktiv, es werden keine Hormone im betroffenen Gewebe produziert, was zur Schilddrüsenunterfunktion und so zur Beeinträchtigung der allgemeinen Leistungsfähigkeit führt.
Werde eine Schilddrüsenfehlfunktion diagnostiziert, müsse man sich, so der Nuklearmediziner weiter, zunächst ein genaueres Bild der Erkrankung machen. Je nach Krankheitsbild variiere schließlich die Behandlung. Bei „Heißen Knoten“ sei Jod zu meiden, da dies die Überfunktion an Hormonen in diesen noch verstärke. Eine blockierende Medikation sei hier notwendig, auf der man schließlich mit der sogenannten Radiojodtherapie aufbauen könne. Bei dieser Behandlungsmethode injiziert der Mediziner ein radioaktives Jodisotop, das in der Schilddrüse das mutierte Gewebe zersetzt. In schlimmen Fällen sowie bei akuter Gefährdung durch „Kalte Knoten“ oder starke Vergrößerungen („Struma“) müsse die Schilddrüse operativ entfernt werden.
1. Juli 2009: eigener Bericht
Fortbildung für Tagesmütter erfolgreich beendet
Als Fortbildung nutzte eine Gruppe von Tagesmüttern ein 18 Unterrichtsstunden umfassendes Seminar der Volkshochschule in Ochtrup. Das Elterntraining Triple P (Positive Parenting Programme) unter Leitung einer erfahrenen Diplom-Psychologin will Erziehende zu mehr Gelassenheit und Konsequenz verhelfen und dadurch die Beziehung zu den Kindern verbessern. Dabei handelt es sich um ein intensives Lernprogramm, bei dem in den Gruppensitzungen die Vermittlung und Einübung konkreter Erziehungsstrategien im Vordergrund steht.
Unser Foto zeigt die Absolventinnen des Kurses
Hintere Reihe: Daniela Himmelreich, Maria Oßendorf, Marita Pöhlker, Elisabeth Murawski, Silvia Engelmann
Vordere Reihe: Marion Stohldreier, Silke Reinker; es fehlt Gertrud Kubitza
18. Juni 2009: Münsterländische Volkszeitung (Monika Koch)
Perfekter Abend mit dem „Duo Fuera“
Wettringen. Pariser Flair, Wiener Charme und jiddische Tradition vereinten sich am Dienstagabend im Heimathaus Wettringen zu einer gelungenen Mischung aus Frühlingsliedern, mit denen das „Duo Fuera“ knapp 50 Besucher sichtlich entzückte. Die Gäste sparten nicht mit Applaus, sogar nach besonders begeisternden Einlagen - sei es von der exzellenten Sopranistin Heide Bertram oder dem begnadeten Akkordeon-Spieler Piotr Rangno.
Die Volksbank in Ochtrup sponserte den Musikabend der Volkshochschule unter der Regie von Guido Dahl. in Persona überreichte Jürgen Kreitschinski mit dem Charme von Sky Dumont zwei wunderschöne Blumensträuße als Dank an die Interpreten. Zuvor hatten Bürgermeister Engelbert Rauen und der Leiter der Volksbank beschlossen, sich den Akkordeon-Spieler zukünftig als Sekretär zu teilen - wegen seiner außergewöhnlichen Fingerfertigkeit.
Frühlingslieder aus Wien, Frankreich und Spanien, dazu eine Prise jiddische Tradition, eine glasklare Sopranstimme mit dem besonderen Triller, der Vogelstimmen zu eigen ist, und ein Akkordeon-Spieler, der nicht einfühlsamer hätte agieren können, machten den Abend perfekt.
„Schau mich bitte nicht so an“ oder „La vie en rose“ gurrte die charmante Heide Bertram im ersten Teil des Programms und sorgte für Gänsehautfeeling. Natürlich schauten die Gäste sie an, und sie: „Du weißt, ich kann nicht widerstehen, schau mir nicht so auf den Mund, du kennst genau den Grund, wie soll es weitergehen?“ Ganz einfach: Mit vielen wunderschönen Liedern, von denen man später nicht hätte sagen können, welches am schönsten war. Nahm man gerade Abschied von einer Melodie, die verzaubert hatte, folgte sofort die nächste Weise und mir ihr die Begeisterung auf andere Art.
Der Frühlingswalzer von Johann Strauß forderte im ersten Teil des Programms ein hohes Maß an Flexibilität der Stimmbänder, dem die Sängerin problemlos gerecht wurde. Die hohen Töne kamen klar und scheinbar mühelos. Danach gönnte sie ihrer Kehle eine kleine Pause, währenddessen ihr Musikpartner Piotr Rangno, geboren in Breslau, „Indifférence“ von Joseph Colombo spielte, bei dem er seine unglaubliche Fingerakrobatik demonstrieren konnte. Es folgte die Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen von Jaques Offenbach und nach ihr Improvisationen nach Rodrigo „Ispaniada“ mit dem Flair des Flamenco.
Der zweite Teil hatte zwar nicht die französische Leichtigkeit, sondern war gespickt mit jiddischen Traditionsliedern, der Schwermut von Solveig’s Lied. Dazu das Siciliano von J.S. Bach, Habanera aus „Carmen“ und dem berühmten „Besame, besame mucho“, das jeder kennt, der bereits den zweiten Frühling erlebt, und mit den ihm eigenen Erinnerungen verbindet. Gelegentlich ertappte man sich dabei, dass man mit summte oder sich im Rhythmus bewegte.
Ein schöneres Kompliment kann es für einen Vortrag nicht geben. Heide Bertram und Piotr Rangno waren einfach mitreißend, und dabei kamen sie von nebenan: Sie aus Burgsteinfurt, er aus Gronau. Beide haben sich total der Musik verschrieben, singen und spielen seit zwei Jahren gemeinsam, aber nur auf der Bühne.
8. Juni 2009: Tageblatt Ochtrup (Linda Braunschweig)
Europawahl: CDU verliert 9,4 Prozent, FDP legt zu
Ochtrup. Die CDU hat im Vergleich zur letzten Europawahl verloren, die Ergebnisse von SPD und Grünen bleiben mäßig und die FDP hat zugelegt – das bundesdeutsche Gesamtbild spiegelte sich gestern in Ochtrup wider. Die Parteien trugen es mit Fassung: Die Enttäuschung bei den Christdemokraten hielt sich bei der Verkündung der Ergebnisse durch die Forschungsgruppe Wahlen des Gymnasiums Ochtrup ebenso in Grenzen wie die Freudensprünge der FDP.
Die Europawahlen haben längst nicht den Stellenwert wie die Bundestags- oder Kommunalwahlen. Das zeigte auch die Wahlbeteiligung deutlich. Ochtrup stand mit 44,83 Prozent im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt zwar noch gut dar, dennoch erreichte die Wahlbeteiligung seit der ersten Europawahl 1979 ein historisches Tief. Am fleißigsten waren die Ochtruper Wähler in der Wester und in Welbergen: Das Wahllokal in der Gaststätte Bätenvoss verzeichnete eine Beteiligung von 55,82 Prozent, in der Gaststätte Meier waren es 52,31 Prozent. Die wenigsten Bürger gingen im Bezirk des „Hotel Brinckwirth“ an die Urne – nur 35,22 Prozent.
Die Wahlbeteiligung war unter den Parteimitgliedern in der Villa Winkel dann auch Diskussionspunkt Nummer eins. „Wir müssen die Leute einfach bewegen, überhaupt zur Wahl zu gehen“, machte Martin Wilke, SPD-Fraktionsvorsitzender, deutlich. Die Ergebnisse seiner Partei beurteilte er als „erwartbar“. Erfreulich sei aber, dass die rechtsradikalen Gruppierungen nichts dazu gewonnen hätten.
Für CDU-Vorsitzende Christa Lenderich war das Minus von 9,4 Prozent kein Anlass zur Sorge. „Jede Wahl hat ihre Eigenheiten und die Europawahl ist immer noch etwas ganz anderes als die Kommunalwahl“, wollte sie aus dem Ergebnis keinen Trend ablesen. „Das ist ein Ansporn, weiterhin unser Bestes zu geben.“ Am 16. Juni werde die CDU ihr Wahlprogramm vorstellen, kündigte Lenderich an. „Wir dürfen uns jetzt natürlich nicht zurücklehnen.“ Was genau für das Minus verantwortlich sei, lasse sich „auf die Schnelle“ nicht sagen. „Dazu müssen wir uns erst einmal die einzelnen Bezirke näher anschauen.“
Klaus Werner Heptner, Fraktionsvorsitzender der FDP, freute sich über das „sehr gute Ergebnis“ und wagte auch, von einem Trend zu sprechen. „Wir haben eine starke Mannschaft und trauen uns einiges zu“, kündigte Heptner an. Parteivorsitzender Hermann Holtmann war ebenfalls begeistert: „Wir haben unser Ergebnis in einigen Bezirken verdoppeln können.“ Holtmann sah in dem Gewinn „die Nachwirkungen kommunaler Politik“. Zum ersten Mal habe die FDP bei einer Europawahl mehr Stimmen erreicht als bei der Kommunalwahl. „Das gab es noch nie und es beruhigt uns schon.“ Die geringe Wahlbeteiligung begründete Holtmann mit mangelndem Interesse an der EU-Politik und fehlender Transparenz. „Das ist einfach nicht darstellbar. Die Bürger wissen nicht, dass 70 Prozent der Gesetze aus Brüssel kommen.“
Werner Füll, Fraktionsvorsitzender der Grünen, schob die Verluste seiner Partei auf die geringe Wahlbeteiligung und witterte für die Kommunalwahl die Chancen eher im Straßenwahlkampf. „Das ist den Leuten näher“, so Füll.
6877 von 15 339 wahlberechtigten Ochtrupern haben für das Europaparlament abgestimmt. Die größte Unterstützung fand die CDU mit 72,5 Prozent im Wahllokal Pliete, die SPD mit 34,67 Prozent im Bezirk der Stadtwerke. Für die Grünen war Elfering-Jasper mit 10,3 Prozent das Zugpferd und die FDP fand prozentual die meisten Wähler bei Meier mit 20,8 Prozent.
5. Juni 2009: Münstersche Zeitung (Christian Boeckmann)
Die "Hochrechner": Eine Projektgruppe hat die Wahlen im Blick
Ochtrup. Um 99 Sitze im Europa-Parlament bewerben sich 31 deutsche Parteien und darüber entscheiden in elf Wahllokalen auch die Ochtruper am Sonntag. Die Ergebnisse weiß als erster Heiner Studt. Der Informatik-Lehrer des Gymnasiums leitet die Projektgruppe „Wahlen“. MZ-Redaktionsmitglied Christian Boeckmann fragte nach.
Welche Wahl war Ihr erstes Projekt?
Heiner Studt: Zu Beginn, 1987, gab es gar keinen Informatikunterricht in der Oberstufe, deshalb entstand das erste Team aus einem Volkshochschulkurs, den ich leitete. Wir haben erstmals 1989 die Kommunalwahlen begleitet. Zur Präsentation der Zahlen benutzen wir einen Overhead-Projektor. Das kam gut an und hat uns motiviert weiterzumachen.
Und daraus ist ein Selbstläufer geworden.
Studt: Ja, keine Wahl mehr ohne uns ... Seit 2000 rekrutiert sich unsere Gruppe aber aus Informatik-, Mathematik und Sozialwissenschafts-Schülern der 11. und 12. Klasse. Auch viele ehemalige Schüler schauen uns bei Wahlen über die Schulter.
Was kann das von Ihrer Gruppe entwickelte Computer-Programm?
Studt: Wir können damit die Zahlen, die wir am Wahlabend aus dem Rathaus bekommen, sehr schnell aufbereiten und anschaulich präsentieren mit Diagrammen. Daneben ist ein Vergleich möglich, in diesem Fall mit den Ergebnissen der Europawahl 2004. Eine Hochrechnung, sobald ein Teil der Wahllokale ausgezählt ist, ist auch möglich. Das haben wir bei der Europawahl 1999 gemacht. Aber mit keinem seriösen Ergebnis...
Technisch hat sich wahrscheinlich einiges getan in den vergangenen Jahren.
Studt: Am Anfang haben wir die Daten mit Disketten untereinander ausgetauscht, dann per Telefonleitung und zuletzt per Internet. Ich erinnere mich, dass das allererste Programm zur Wahlberechnung 141 Seiten Befehlstext hatte. Da habe nur ich gerade noch durchgeblickt.
Was motiviert Ihre Schüler, dafür Zeit zu investieren?
Studt: Zum einen sind viele Schüler durch persönliche europäische Kontakte interessiert an der Wahl. Und es gibt von der Schule eine Bescheinigung, die sich gut macht in einer Bewerbung.
Und außerdem?
Studt: Wahlen gehen doch jeden etwas an. Spannender für Schüler sind die kommenden Kommunalwahlen, weil schon ab 16 Jahren gewählt wird. Und, besonders für Mathematiker interessant: Dieses Jahr gibt es erstmals ein neues Verfahren zur Sitzverteilung im Rat.
5. Juni 2009: Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Bewegen, bewegen, bewegen
Ochtrup. „Eine Sprechstunde, die nichts kostet, das ist in unserem Gesundheitssystem schon etwas Besonderes“, bemerkte der stellvertretende Leiter der Volkshochschule, Bernd Klävers, als er am Mittwochabend im Café des Pius-Hospitals die „Visite am Abend“ eröffnete. Die Gemeinschaftsveranstaltung der VHS und des Krankenhauses bleibt ein Publikumsmagnet. Wieder kamen die Besucher zahlreich, und der Chefarzt der Inneren Abteilung, Dr. Klaus Innig, brachte ihnen auf verständliche Art das Thema Cholesterin näher.
„Cholesterin ist ein wichtiges Molekül, das die Zellbestandteile unseres Körpers in Schuss hält“, machte der Arzt deutlich. Der Cholesterinspiegel gibt die Gesamtmenge der Blutfette an, die durch zusätzliche Blutuntersuchungen nach HDL- und LDL-Werten differenziert werden. Ein zu hoher LDL-Wert führe zu Ablagerungen in den Gefäßen, wodurch eine Gefäßverkalkung entstehen könne. Ein hoher HDL-Spiegel indes verringere dieses Risiko, weil es das Cholesterin von den Gefäßen in die Leber transportiere.
Und welcher Cholesterinwert gilt als normal? Der Arzt erklärte, dass es keinen einheitlichen Zielwert gebe. Beim gesunden Menschen gelte ein Gesamtwert bis 240 Milligramm pro Deziliter Blut als unbedenklich. Der LDL-Wert müsse unter 160 liegen. Wer Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht mitbringe, sollte einen LDL-Wert unter 130 haben (Gesamtwert bis 200). Haben Patienten koronare Herzerkrankungen oder Arteriosklerose, darf der LDL-Anteil nicht höher als 100 sein (Gesamtcholesterin bis 180). Der gute HDL-Wert aber sollte bei allen Patienten höher als 40 sein.
„Wir bewegen uns zu wenig und essen zu viel und zu fettreich“, sagte Klaus Innig. Das fördere Übergewicht und fordere Fettstoffwechselstörungen heraus. Natürlich reiche es nicht, wenn ein Patient mit Fettstoffwechselstörungen brav seine Fettsenker schlucke, aber nicht bereit sei, seine Gewohnheiten zu ändern, so Innig.
„Der Patient muss seine Lebens- und Essgewohnheiten ändern“, betonte der Arzt. Um einer Fettstoffwechselstörung vorzubeugen, empfahl er auch gesunden Menschen, dreimal pro Woche fünf Kilometer zu laufen und nicht mehr als 300 Milligramm Cholesterin pro Tag zu verzehren.
Im Anschluss hatten die Besucher jede Menge Fragen. Sie erfuhren zum Beispiel, dass sich Ablagerungen in den Adern junger Menschen durch gesunde Lebensgewohnheiten zurückbilden können und dass Nikotin „Gift“ für die Gefäße ist, weil es ihnen die Elastizität nimmt.
9. Mai 2009: Münstersche Zeitung (Dominik Theile)
Bankakademie: Die Hygienewerke als Fußballverein
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Volksbank Ochtrup e. G.
Woher kommen eigentlich Toilettenpapier, Taschentücher und co.? Wie funktioniert denn so ein Betrieb wie die Feucht-Hygiene-Werke (FHW)?
All dies waren die Fragen, mit denen die Kinder am Donnerstag in die Villa Winkel kamen zu der zweiten Station der Reihe "Kleine Bankakademie". Diesen Fragen stellte sich Dr. Michael Pulina als Dozent der der FHW GmbH. "Die ganze Thematik auch Kindern erklären zu können, das ist eigentlich die größte Aufgabe", so Pulina, der schon seit sechs Jahren die Vorgänge in den FHW erklärt, aber noch nie vor Kindern.
Solche komplexe Themen erklärt man am besten mit etwas, das Kinder kennen. In diesem Fall mit dem Vergleich eines Fußballvereins mit den Feucht-Hygiene-Werken. "Genau wie bei einem Fußballverein müssen in einer großen Firma alle Faktoren passen", erklärt der Dozent Michael Pulina.
Kunden werden Fans
Bei einem derartigen Vergleich wir der Geschäftsführer Wolfgang Tenbusch schnell zum Trainer, die Arbeitskräfte zur Mannschaft und die Kunden zu den Fans. Mit diesem doch sehr passenden Vergleich gelang es dem Dozenten, den Kindern die komplexen Vorgänge zu erklären und zu veranschaulichen. Kaum einer der Kinder hatte sich wohl vorstellen können, wie groß die Feucht-Hygiene-Werke wirklich sind mit 240 Beschäftigten in Ochtrup und 100 Millionen Feuchthygiene-Tüchern pro Jahr.
Zum Mitnehmen
Außerdem sind die FHW nicht nur in Deutschland, sondern auch in Israel und den USA tätig. Auch zum Anfassen gab es etwas. Dozent Dr. Michael Pulina hatte Packungen feuchtes Toilettenpapier und feuchte Reinigungstücher für die Kinder zum Anschauen und Mitnehmen mitgebracht.
7. Mai 2009: Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Lakritz treibt den Blutdruck hoch
Ochtrup. Bluthochdruck hat sich in der Wohlstandsgesellschaft zur Volkskrankheit entwickelt. Am Mittwochabend war er Thema der „Visite am Abend“, einer Veranstaltungsreihe der Volkshochschule in Zusammenarbeit mit dem Pius-Hospital. Über 60 Besucher füllten das Café des Krankenhauses. Dr. Absi Hajooze, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin, klärte die Zuhörer über Ursachen, Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten des Bluthochdrucks auf.
Wenn das Herz das Blut durchs Arteriensystem in die Organe pumpt, zeigt die Messung den „oberen Blutdruckwert“ (Systole). Der Rückweg durch das venöse System wird als „unterer Wert“ (Diastole) gemessen. Ab 140 Millimetern auf der Quecksilbersäule (mmHg) Systole und 90 mmHg Diastole gilt der Blutdruck als erhöht.
Weil der Hochdruck sich gern unauffällig in den Blutkreislauf schleicht und keine Warnsignale gibt, gehe der Patient oft erst dann zum Arzt, wenn bereits organische Schäden vorliegen, erklärte Hajooze. Als mögliche Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks nannte der Arzt starre Arterienwände, Schrumpfniere oder einen verdickten Herzmuskel, der eine Herzschwäche auslösen kann. Außerdem erhöhe sich das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.
Damit es erst gar nicht soweit kommt, ist eine rechtzeitige Behandlung mit blutdrucksenkenden Mitteln wichtig. Doch der Patient kann obendrein noch selbst mitwirken. Hajooze riet: „Dreimal wöchentlich eine halbe Stunde Ausdauersport, das hält die Adern elastisch. Entspannungsphasen in den Tag einbauen und sich gesund ernähren. Denn Bewegungsmangel, Übergewicht und Dauerstress, aber auch fettes, salzhaltiges Essen und Alkohol haben einen ungünstigen Einfluss auf den Blutdruck.“ Dass auch Lakritz in großen Mengen (50 Gramm pro Tag) den Blutdruck in die Höhe treiben können, überraschte die Anwesenden.
„Und was sind die Ursachen für Bluthochdruck?“, wollten sie vom Arzt wissen. Bei 90 Prozent der Hochdruckpatienten sei die Ursache nicht bekannt. Meistens liege eine genetische Veranlagung vor. Ältere Menschen seien am häufigsten betroffen. Doch Kinder und Jugendliche können ebenfalls erkranken. Auch Diabetes gehe oft mit Bluthochdruck einher. Bei zehn Prozent der Bluthochdruckpatienten seien Nierenerkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion oder Medikamente wie Rheumamittel oder Antibabypille die Ursache.
21. März 2009: Münstersche Zeitung (Dorothee Zimmer)
"Karriere oder Jakobsweg": Ochtruper Autorin stellt Buch vor
Fünf Wochen war Sabine Dankbar auf dem Jakobsweg unterwegs, hat dabei mehr als 700 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Die Ochtruperin hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben: „Karriere oder Jakobsweg“ heißt es.
Am Dienstagabend las sie vor großem Publikum in der Villa Winkel daraus vor. Ihre interessanten Ausführungen spickte sie mit Fotos und zusätzlichen Informationen.
Abstand vom Alltag, eine Möglichkeit, sich selbst und den wirklichen Sinn des Lebens angesichts täglich aufreibender Aufgaben zu erfahren - das war in den Jahren 2003/2004 ein stiller Wunsch von ihr. „Etwas fehlte mir“, erzählte Dankbar. Offen schildert sie in dem Buch ihre persönliche Situation zu diesem Zeitpunkt: Sie war Ende dreißig, hatte zwar einen guten Job in der Geschäftsleitung des Familienunternehmens Bianca-Moden, aber nach einer gescheiterten Ehe nicht die ersehnte eigene Familie mit Kindern.
Unter höchstem Einsatz
Sie litt unter dem Anspruch, unter höchstem Einsatz stets den Anforderungen der Firma gerecht werden zu wollen und lebte mit dem latenten Gefühl, dabei selbst auf der Strecke zu bleiben. „Ich hab mich oft gefragt, ob ich keine Familie habe, weil ich so viel arbeite, oder ob ich so viel arbeite, weil ich keine Familie habe.“
Sie hatte vom Jakobsweg gehört, „immer wieder kam er mir in den Sinn“. Sie wollte auf ihm wandern, selbst zur Ruhe kommen, neue Perspektiven für ihr Leben erschließen. In dem Buch eines Mönchs las sie den Satz: „Gönne dich dir selbst. Nicht immer, aber tue es immer wieder einmal.“
Es war im Oktober 2005, als sie nach einer wiederum gescheiterten Beziehung ihr Leben Revue passieren ließ und den Entschluss fasste, ihr Leben umzukrempeln. „Ich wollte kündigen und die Modebranche verlassen.“
Im Mai 2006 Gang gestartet
In der selben Woche, in der sie ihren Vorsatz in die Tat umsetzte, lernte sie einen Mann kennen, mit dem sie zwischenzeitlich verheiratet ist. Im Mai 2006 startete sie ihren Gang über den Jakobsweg. Ihr Freund begleitete sie in den ersten zwei Wochen, dann lief sie alleine weiter. Am neunten Pilgertag schrieb sie abends in ihr Tagebuch: „Wir sangen und pfiffen, immer dieselben Lieder. Wir waren beschwingt, mit der Natur und uns im Einklang und hatten das Gefühl, Raum und Zeit zu verlieren. Nichts drängte mich, ich fühlte mich jung und frei.“
Starke Schmerzen
Lebhaft schildert Dankbar ihre Eindrücke, erzählt von starken Schmerzen, die sie fast bewegen, aufzugeben. Aber sie hält durch. Als ihr Mann sie vom Flughafen abholt, steht sie da nicht als Geschäftsfrau mit schickem Köfferchen, sondern als Rucksacktouristin und „junge 41-Jährige, die sich von innen hat bewegen lassen“.
Volkshochschuldirektor Guido Dahl sagte vor der Autorenlesung mit anschließender Büchersignierung: „Wenn auch jeder seine eigene Laufbahn hat, so hat dennoch nicht jeder seinen Weg gefunden.“
21. März 2009: Tageblatt Ochtrup (Anne Steven)
Mickey Maus bei Uponor
Ochtrup. Was Mickey-Mäuse mit Kunststoffherstellung zu tun haben, erfuhren die Teilnehmer der „Kleinen Bankakademie“ von Volksbank und VHS am Donnerstagnachmittag: 45 Kinder nahmen an der ersten der insgesamt sechs Vorlesungen dieses Jahres teil. Klaus Höfte von der Firma Hewing gab den Professor, die Kinder die Studenten.
Im Uponor-Schulungszentrum fühlten sich die kleinen Studenten fast wie Akademiker und genossen die ungewohnte Umgebung. Angefangen bei der Erdölgewinnung über die Rohölverarbeitung ging es zur sogenannten Polymerisation. Dabei wird die Doppelbindung des Ethylens gelöst und es entstehen Molekülketten. An dieser Stelle kommen die Mickey-Mäuse von Klaus Höfte zum Einsatz. Der Diplomingenieur für Versorgungstechnik stellte die Doppelbindungen als Mickey-Mäuse dar, die sich mit beiden Armen aneinander festhalten. Später in der Molekülkette halten die Mickey-Mäuse sich an den Händen. Durch diese einfache und kindgerechte Art der Darstellung gelang es Höfte, ein schwieriges Thema relativ verständlich darzustellen. Nach der Polymerisation werden die Molekülketten zu Kunststoffgranulat verarbeitet. „Es gibt viele verschiedene Kunststoffe und auch viele verschiedene Verfahren sie herzustellen“, erklärte Klaus Höfte. Auch beim Granulat gibt es Unterschiede. Man unterscheide schmelzbares Granulat (Thermoplaste), nicht schmelzbares (Duroplaste) wie es zum Beispiel in Steckdosen verarbeitet wird, und dehnbares Granulat (Elastomere). Letzteres findet sich später in Gummibändern oder Spülschwämmen wieder. Im weiteren Verlauf der Vorlesung wurde es dann auch noch praktisch. Höfte demonstrierte wie sich die unterschiedlichen Kunststoffarten bei Hitze verhalten.
Weitere Eindrücke von der Veranstaltung in der Internet-Bildergalerie des Tageblatts:
13. März 2009: eigener Bericht
Schulprojekt „Tastaturerarbeitung für Kids“
Ein gemeinsames Projekt starteten die Lambertigrundschule und die Volkshochschule. Unter fachlicher Anleitung lernen 52 Kinder des 4. Jahrgangs mit zehn Fingern die Computertastatur zu bedienen. Darüber hinaus erhalten sie in den 36 Unterrichtsstunden umfassenden Kursen Tipps im Umgang mit der Textverarbeitung Word. Über die große Resonanz sind die Kooperationspartner Lambertischule , Förderverein und Volkshochschule sehr erfreut.
Toll finden die Kinder natürlich, dass sie nun mit ihren Freunden und Klassenkameraden zusammen im „neuen“ Computerraum lernen können. Jeder Teilnehmer verfügt über einen modernen Arbeitsplatz mit Flachbildschirm.
Im nächsten Jahr soll das Projekt noch ausgeweitet werden. Das ist ein gelungenes Beispiel für die Vernetzung und Zusammenarbeit verschiedener Bildungseinrichtungen vor Ort.
6. März 2009: Tageblatt Ochtrup (eigener Bericht)
Integrationskursus beendet: Hyun Soo Kim hat die beste Note
Mit der Übergabe der Zertifikate endete bei der Volkshochschule jetzt ein 645 Unterrichtsstunden umfassender Kursus, der nach dem seit Januar 2005 in Kraft getretenen Zuwanderungsgesetz erforderlich ist. Zentrales Element dieses Angebots des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule ist das Erlernen der deutschen Sprache. Sie ist der Schlüssel zur Integration und soll Zuwanderern eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben in Deutschland ermöglichen.
Verantwortlicher Deutschlehrer für den vierten Integrationskursus der Volkshochschule in Ochtrup war Theo Markgraf, der die aus elf Nationen stammenden Teilnehmer unterrichtete. Hyun Soo Kim aus Korea (Foto 4. v. r.) war bester Prüfungsteilnehmer mit der Note „sehr gut“.
Ein neuer Lehrgang beginnt am 16. März (Montag). Kooperationspartner für die Durchführung sind neben Stadt und Gemeinden, die GAB und das Ausländeramt des Kreises. Weitere Informationen bei der Volkshochschule, Telefon 02553 93980.
7. März 2009: Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Luther "verteufelte" die Juden
Ochtrup. „Liebe Schwestern und Brüder. Ich bin überrascht, dass so viele gekommen sind“, begrüßte Professor Dr. Reinhold Mokrosch am Donnerstagabend seine Zuhörer im Foyer der Villa Winkel. Volkshochschuldirektor Guido Dahl hatte den Professor der evangelischen Theologie der Universität Osnabrück zuvor als bedeutenden Gast der Woche der Brüderlichkeit vorgestellt. Das Thema des Abends, so Dahl, sei schwierig und heikel, denn Luthers Verhältnis zu den Juden sei umstritten.
Professor Mokrosch erwies sich als brillanter Erzähler, der es verstand, seine Zuhörer zu fesseln. Zunächst skizzierte er die Judenvertreibungen im Europa des Mittelalters und schlug den Bogen zu Martin Luthers Schrift „Von den Juden und ihren Lügen.“ Der Reformator hatte das Werk 1543 veröffentlicht. „Für unsere Ohren ist das eine Katastrophe ohnegleichen“, bemerkte Mokrosch. In der Tat. Luthers grobe und beleidigende Formulierungen waren schockierend. Er „verteufelte“ die Juden, weil sie Jesus Christus nicht anerkennen wollten. Er buddelte Anschuldigungen des Mittelalters aus und beschuldigte die Juden des Ritual- und Gottesmordes, der Brunnenvergiftung, der Hostienschändung und so weiter. Die Landesherren forderte Luther auf, Synagogen zu zerstören und die Juden zu vertreiben.
Kaum zu glauben, dass derselbe Martin Luther 20 Jahre zuvor die Ansicht vertreten hatte, Verfolgungen und Demütigungen der Juden würden den christlichen Wertvorstellungen widersprechen. „Damals“, so Dr. Mokrosch, „forderte Luther eine soziale Integration der Juden.“ Der Referent zitierte aus Luthers 1523 verfasster Schrift „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“. Darin hatte der Reformator zum „brüderlichen“ Umgang mit den Juden aufgerufen. „Luther verfolgte dabei eine Missionsstrategie. Er wollte Juden zum Christentum bekehren und vom Glauben an den Messias überzeugen“, erklärte Mokrosch die Absichten. Als der Reformator erkannte, dass sich die Juden von seinen Lehren nicht überzeugen ließen, fiel er zurück in einen mittelalterlichen Judenhass.
„Die NSDAP hat Luthers Schriften später für antisemitische Propaganda herangezogen“, erklärte Professor Mokrosch. Ein Antisemit sei Luther allerdings nie gewesen, sondern ein Anti-Judaist. Denn während bei den Nazis der Judenhass rassistisch geprägt war und Religion keine Rolle spielte, vertrat Luther rein religiöse Absichten. Hinzu kommt, dass der Reformator sich vom magisch-mystischen Glauben seiner Zeit beeinflussen ließ. Im 16. Jahrhundert herrschte die Meinung, dass man verpflichtet sei, bei Gotteslästerung einzuschreiten. Der Begriff „Toleranz“ hatte eine völlig andere Bedeutung Durch die Vertreibung der Juden habe Luther die Seelen der Christen bewahren wollen, erklärte der Theologe. In seiner Schrift heiße es aber auch: „Man soll den Juden an Leib und Leben nichts anhaben.“ Außerdem sei der Reformator überzeugt gewesen, dass er am apokalyptischen Ende der Welt lebe.
Gemeinsam mit dem sehr interessierten Publikum – darunter auch etliche Theologen – ging der Referent den Fragen nach „Gibt es eine Linie von Luther zum Holocaust?“ und „Sollte man ihn belasten oder entlasten?“ Die Meinungen gingen auseinander.
Es sei schon verwunderlich, dass Martin Luther, der gnadenlose Kritiker und große Reformator, in der Judenfrage zum unkritischen Kind seiner Zeit wurde, bemerkte ein Anwesender über das zwiespältige Verhalten Luthers. „Er ist in diesem Zeitgeist aufgewachsen. Er hat gefordert, was schon seit 260 Jahren in Europa getan wurde. Und er glaubte, dass das Ende der Welt naht“, verteidigte eine andere Zuhörerin den Reformator. Obwohl Professor Mokrosch sich als „Lutheraner mit Leib und Seele“ bezeichnete, meinte er am Ende der angeregten Diskussion „Ich tendiere dahin, Luther zu belasten.“
4. März 2009: Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Nur einer überlebt den Nazi-Terror
Ochtrup. Das unfassbar grausame Schicksal der jüdischen Mitbürger ist bei der Ochtruper Bevölkerung nicht in Vergessenheit geraten. Das zeigte die Besucherresonanz der Woche der Brüderlichkeit am Dienstagabend. Das Kaminzimmer der Villa Winkel war bis auf den letzten Platz besetzt. „Jüdische Mitbürger und ihr Schicksal in der Stadt Ochtrup“ war das Thema der Veranstaltung. Als Referenten begrüßte Volkshochschuldirektor Guido Dahl den Gemeindearchivar Metelens, Reinhard Brahm, der außerdem Mitautor des „Historischen Handbuchs der Jüdischen Gemeinschaft in Westfalen und Lippe“ ist. Unter den Besuchern waren auch einige Zeitzeugen, die die Veranstaltung mit persönlichen Erinnerungen belebten.
Reinhard Brahm sprang in seinem Vortrag durch die historischen Lebensläufe der jüdischen Familien Ochtrups und Metelens. Eine von ihnen war Familie Löwenberg, die in Ochtrup an der Lautstraße wohnte. „Willi Löwenberg litt unter der Ausgrenzung in der Schule. 1933 wurde er als einziges jüdisches Kind eingeschult. Er bekam einen Einzelplatz in der hinteren Bank der Klasse zugewiesen“, rezitierte Brahm aus der Vita Willi Löwenbergs. Gisela Struck, einstige Nachbarin der Löwenbergs, wollte das nur teilweise hinnehmen. „Das war nicht bei allen Lehrern so. Mein Bruder wurde mit Willi Löwenberg eingeschult. Die beiden haben zusammen in der ersten Bank gesessen.“
Brahm berichtete weiter, dass ab 1935 die jüdischen Kinder im Gegensatz zu ihren Mitschülern nur noch eine Durchschnittsnote bekamen. Ein Jahr später seien die Leistungen gar nicht mehr benotet worden.
Emigration der jüdischen Familien war ein weiteres Thema des Abends. „Die in Ochtrup verwurzelten Juden zögerten lange, ihre Heimat zu verlassen. Trotz Diskriminierung fühlten sie sich als Deutsche und wollten sich ihre Identität nicht nehmen lassen“, sagte Brahm. Die jüdischen Mitbürger hatten ihr Eigenheim in Ochtrup, waren Viehhändler oder Inhaber eines Einzelhandelsgeschäftes. Doch die Nazis sorgten für gravierende Beschneidungen der jüdischen Unternehmen, was sich auf die finanzielle Lage der Familien auswirkte. Schließlich führte das zu Zwangsversteigerungen von Immobilien. „Die Juden benötigten das Geld für ihre Ausreise. Bürger, Kommunen und Finanzbehörden, sie alle haben sich an den jüdischen Immobilien bereichert“, machte Brahm deutlich.
Die Löwenbergs suchten Schutz in den benachbarten Niederlanden, wohin schon vorher einige ihrer Verwandten und Bekannten emigrierten. Um zu überleben, nahmen die Eltern Löwenberg in Holland verschiedene Arbeiten an und gründeten schließlich einen kleinen Textilladen. In Sicherheit waren die jüdischen Emigranten in Holland allerdings nicht. Die NS-Judenpolitik überrollte die Grenze in die Niederlande.
Und was ist aus Familie Löwenberg geworden? Sie alle wurden im Konzentrationslager ermordet. Willi Löwenberg überlebte als Einziger das KZ. Von Holland wurde er nach Auschwitz transportiert und kam später nach Dachau, wo ihn die Amerikaner befreiten. 1949 wanderte er in die USA aus. Privat gründete er dort eine Familie und beruflich ein Unternehmen. Er gilt als angesehene Persönlichkeit und pflegt Kontakte zu jüdischen Organisationen, zu politischen Größen – und zu Gisela Struck, seiner früheren Nachbarin aus Ochtrup.
2. März 2009: Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Der Weg hat gerade erst begonnen
Ochtrup. Eine besinnliche Stille lag gestern auf den Gesichtern der Anwesenden in der voll besetzten Alten Kirche in Welbergen. Zum Auftakt der Woche der Brüderlichkeit lauschten alle Heide Bertrams virtuoser Stimme. In der Improvisation eines Psalms der Bedrängnis schrie sie die bittere Enttäuschung eines Juden heraus, der von seinem Freund verraten wurde. Die Sängerin setzte die Emotionen stimmlich wirkungsvoll um. Instrumental wurde sie von Stephan Schomaker begleitet, der die jeweiligen Situationen auf der Gitarre mal sparsam akzentuiert und dann wieder mit eindringlicher Prägnanz formulierte. Auf eindrucksvolle Art näherte sich das Duo musikalisch dem Leitgedanken der Woche: „1949 – 2009. So viel Aufbruch war nie.“
„Aufbruch“, bemerkte Bürgermeister Franz-Josef Melis, „ist ein immer wiederkehrendes Thema der Menschheit. Wir alle sehen uns in einer langen Kette von Aufbrüchen.“ Melis skizzierte die historischen Aufbrüche der vergangenen sechs Jahrzehnte vom zerstörten Deutschland über die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten bis zur EU-Entwicklung. „Jeder Aufbruch war mit Strapazen und Rsiko verbunden. Und die Menschen waren bereit, sich den Herausforderungen zu stellen.“
Aufbruchsituationen begleiteten auch das Leben der Menschen im Alten und Neuen Testament. Volkshochschuldirektor Guido Dahl rief in seinem Vortrag Abrahams Leben ins Gedächtnis, der als Fremder im verheißenen Land für die Christen ein Vorbild im Glauben wurde. Als Beispiele für Aufbruchstimmungen aus dem Neuen Testament nannte Dahl Jesus und seine Jünger sowie den Apostel Paulus. „Einen qualitativ neuen Aufbruch im jüdisch-christlichen Miteinander aber erfahren wir heute in Deutschland und der gesamten zivilisierten Welt“, hob Dahl hervor. Er zeigte sich froh, dass „die Ansichten der ewig Gestrigen über unsere jüdischen Brüder und Schwestern und deren furchtbares Los in Deutschlands seelenloser Vergangenheit öffentlich nicht mehr ohne Widerspruch geduldet werden“. Dahl begrüßte auch, dass sich endlich eine breite Öffentlichkeit kirchlicher und politischer Verantwortungsträger gegen die Leugnung geschichtlicher Tatsachen formiere. „Der Weg, den die Kirche in Deutschland seit 1949 in der Judenfrage gegangen ist, hat erst begonnen und ist noch lange nicht abgeschlossen“, so Dahl.
Heide Bertram und Stephan Schomaker verliehen der Auftaktveranstaltung zur Woche der Brüderlichkeit einen individuellen Charakter durch ihre improvisierte Musik und die Rezitation poetischer Texte zum Motto. Verblüffend war Heide Bertrams Talent, mit der Kraft ihrer Stimme Instrumente zu imitieren. Anhaltender Beifall in der Alten Kirche war der Lohn.
12. Februar 2009: Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Im Dunstkreis der Korruption
Ochtrup. „Sie haben die schönste Volkshochschule, die ich je gesehen habe“, stellte Dr. Kim Otto fest. Der WDR-Journalist, Autor und Grimme-Preisträger durchleuchtete am Dienstagabend im Kaminzimmer der Villa Winkel ein spannendes Thema, das gleichzeitig Inhalt seines Buches „Der gekaufte Staat“ ist. Das aber ließ der Autor zugeklappt auf dem Tisch. „Stures Vorlesen würde Sie langweilen“, bemerkte er und begann, von seinen journalistischen Recherchen zu erzählen, die ihn per Zufall in Richtung Bundestag führten. Was er dort aufspürte, bezeichnet er als „eine gefährliche Form des Lobbyismus, die sich im Dunstkreis der Korruption bewegt.“
Ottos Schilderungen von Vertretern deutscher Großkonzerne in den Bundesministerien lösten bei den Zuhörern in der Villa Winkel eine lebhafte Diskussion aus. Mehr als 100 „Leihbeamte“ spürte der Journalist bei seinen Recherchen auf. Politisch seien diese Leute immer am Ball, hätten Zugang zu innerministeriellen Abläufen und schrieben an Gesetzentwürfen mit. Natürlich im Sinne ihrer Unternehmen, denn von denen würden sie schließlich bezahlt. „Fast alle großen Konzerne, Banken und Unternehmen waren vertreten. In fast allen Ministerien hatten sie ihre Mitarbeiter sitzen“, erklärte Otto. Ob Fluglärm- oder Energiewirtschaftsgesetz, ob Gesundheitsreform oder Lkw-Maut – die von den Großkonzernen bezahlten „Leihbeamten“ hatten ihren Platz in den für ihre „Arbeitgeber“ interessanten Ministerien. Besonders brisant war der Fall eines BASF-Mitarbeiters, der die EU-Chemikalienrichtlinie REACH im Sinne der Industrie beeinflusste. Zuerst war er in der EU-Kommission tätig, dann im Bundeswirtschaftministerium. Für das ARD-Magazin „Monitor“ hatte Otto in dieser Sache recherchiert. Einige Ausschnitte stellte er am Dienstag vor.
Landesministerien hat er ebenfalls unter die Lupe genommen. Auch dort wurde er fündig. Ein „Leihbeamter“ im hessischen Verkehrsministerium, bezahlt von der Fraport AG, kontrollierte die Einhaltung des Nachtflugverbots. Da überrascht es kaum, dass 97 Prozent aller Nachtflüge des Frankfurter Flughafens genehmigt werden.
Der entartete Lobbyismus sei eine Folge des Personalaustauschprogramms „Seitenwechsel“, das die Bundesregierung 2003 einführte. Otto beschrieb das Programm so: Vertreter der freien Wirtschaft sowie aus Verbänden und anderen Interessensgruppen sollten zeitlich befristet in Ministerien arbeiten, um dort ihr Fachwissen einzubringen. Im Gegenzug sollten Ministerialbeamte die „Seite wechseln“ und sich mit Prozessen der freien Wirtschaft vertraut machen.
9. Februar 2009: eigener Bericht
Sie haben dazu gewonnen: an Verständnis für seelische Zusammenhänge, an Beratungs- und Gesprächskompetenz
Ochtrup. 11 Teilnehmern konnte am Samstagvormittag in der Villa Winkel nach erfolgreicher Abschlussprüfung das Zertifikat „Psychologie und Beratung im Ehrenamt und Beruf (VHS)“ überreicht werden. Ihnen wurden in insgesamt 180 Unterrichtsstunden hilfreiche Fähigkeiten für den täglichen – oft problematischen Umgang – mit Beratungssituationen im Berufsalltag vermittelt. Die nebenberufliche Weiterbildungsmaßnahme der Volkshochschule hatte drei erwähnenswerte Besonderheiten: So war es die nunmehr zweite Maßnahme dieser Art, zudem kooperierte die Volkshochschule in Ochtrup wiederum grenzübergreifend mit dem Landesverband der Volkshochschulen von Niedersachsen, der auch für die Zertifikate verantwortlich zeichnete. Zudem absolvierten den Lehrgang Teilnehmer aus Ochtrup, Neuenkirchen, Metelen und Wettringen sowie über das VHS-Zweckverbandsgebiet hinaus aus Rheine, Legden, Gronau und Horstmar.
Unter Leitung einer erfahrenen Diplompsychologin, Frau Helma Schründer aus Ochtrup, erlernten die Teilnehmerinnen vermittels einfacher Übungen und Beispiele aus der eigenen Berufspraxis ihre Stärken und Schwächen im Umgang mit Publikum, Kundschaft, Besucherinnen und Besuchern sowie Patienten und Patientinnen kennen. Sie erwarben neue Methoden und Techniken, deren Umsetzung in den Arbeitsalltag sie schon während des Lehrgangverlaufs in eingeschobenen Praxisphasen erproben konnten. Durchweg handelte es sich um Persönlichkeiten, wie es die Zertifikatsbedingungen vorgeben: Leute, die noch in unterschiedlichen Ehrenämtern tätig sind (Vereinsvorsitz, Gruppenleitung, ehrenamtliche Betreuer und Betreuerinnen, Pflegende von Angehörigen), Erzieherinnen, Berufsbetreuer, Arbeitsanleiter/-innen aus dem sozialen Beruf und Ergotherapeutinnen. Lehrgangsthemen waren Rechtsfragen, Psychologie, Hilfsnetz, Motivation und Beratung, Kommunikation, richtiges Helfen, Psychopharmaka, Therapieformen, Gesundheitstraining und Beratungspraxis. Sie alle haben dazu gewonnen: an Verständnis für seelische Zusammenhänge, an Beratungs- und Gesprächskompetenz.

- Foto: Gerd Altmann/pixelio
6. Februar 2009: Tageblatt Ochtrup (Irmgard Tappe)
Wenn das Gedächtnis geht
Ochtrup. Er war ein Mann, lebenslustig, weltoffen und vielfach belastbar. Jetzt zieht er sich gern zurück, ist am Geschehen um sich herum nicht mehr sonderlich interessiert und er stellt fest, dass seine Konzentration und Merkfähigkeit nachlässt. Das könnten Frühzeichen einer Demenzerkrankung sein, die der Betroffene vor seiner Umwelt zunächst gut versteckt. Erst als seine Gespräche mit oberflächlichen Floskeln und Wiederholungen einhergehen, vermutet sein Umfeld, dass eine Demenz dahinter stecken könnte.
Demenz war am Mittwochabend das Thema der „Visite am Abend“. Diese Veranstaltungsreihe der Volkshochschule Ochtrup in Zusammenarbeit mit dem Pius-Hospital lockt von Mal zu Mal mehr Besucher an. Am Mittwoch füllten 50 interessierte Zuhörer die Cafeteria des Krankenhauses. Wie es bei der „Visite am Abend“ üblich ist, verzichtete auch Dr. Jörg Schwab, Referent des Abends, weitgehend auf die medizinische Fachsprache. Seine Erläuterungen waren für jedermann verständlich und er ging detailliert auf die vielen Fragen der Anwesenden ein. Der Internist aus dem Jacobi-Krankenhaus Rheine sprach über Risikofaktoren, Frühzeichen, Erkennungsmerkmale und über den Verlauf einer tückischen Krankheit, die dem betroffenen Menschen seine Persönlichkeit schleichend raubt.
Die Medizin vermutet, dass ein erhöhtes Demenzrisiko genetisch bedingt ist. Aber auch Bluthochdruck, Alkoholmissbrauch, Übergewicht, körperliche Inaktivität und geistige Trägheit können den Ausbruch der Krankheit begünstigen. Demenz hat viele Gesichter und tritt in unterschiedlichen Formen auf, die der Arzt den interessierten Anwesenden skizzierte. „Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit, bei der sich das Gehirn langsam zurückbildet. Der Alzheimertyp macht fast 50 Prozent der Demenzfälle aus“, erklärte Dr. Schwab und beschrieb die Stadien der Krankheit. Sie beginnt mit zunehmender Vergesslichkeit. Im weiteren Verlauf wiederholt der Betroffene Fragen, verwechselt Wörter, kann sich an Namen und Daten nicht erinnern. Hinzu kommen Unzuverlässigkeiten sowie andere Fehlleistungen. Wenn der Patient im fortgeschritteneren Stadium bekannte Personen nicht richtig zuordnet, seine Kinder, Enkel und schließlich den Ehepartner nicht mehr erkennt, ist Hilfe im Alltag erforderlich.
„Das emotionale Empfinden aber bleibt lange erhalten“, erklärte der Arzt. Aggressionen seien bei den Alzheimerpatienten nicht üblich. Es sei denn, die Mitmenschen treiben sie durch ungehaltene Reaktionen in die Enge. „Spielen Sie auf dem Niveau mit, das der Erkrankte vorgibt“, riet der Arzt den Angehörigen. Weiter empfahl er, für feste Tagesstrukturen zu sorgen und dem Patienten keine Aktivitäten wie Feste, Feiern, Reisen aufzubürden. „Ich kann die Krankheit nicht verbessern, indem ich den Kranken in Aktivitäten hineinzwänge“, betonte der Arzt.
16. Januar 2009: eigener Bericht
Besuch der Kreisleitstelle
Rheine. Einen Blick hinter die Kulissen der Kreisleitstelle für Feuerschutz, Rettungsdienst und Gefahrenabwehr konnten interessierte VHS-Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter Leitung von Benno Hörst bei einem Besuch vor Ort in Rheine werfen. Vom Leiter der Rettungswache, Dieter Krawietz, von Kreisbrandmeister Bernhard Duesmann und der zuständigen Amtsleiterin des Kreises Gerda Kaumanns erhielt die Gruppe detaillierte Informationen über ein komplexes Hilfeleistungssystem. Darüber hinaus entwickelte sich eine interessante Diskussion über das bestehende Notarztsystem im Kreis und der Stadt Ochtrup. Anhand eines fiktiven Unfalls in einem Industriebetrieb in der Oster wurde eindrucksvoll der Weg von der Alarmierung bis zum Ausrücken des Rettungswagens und des Notarztes demonstriert. Dabei wurde deutlich, dass die Bürger der Stadt Ochtrup von der ständig besetzten Rettungswache am Westwall erheblich profitieren. Die Rettungswache Ochtrup mit den gut ausgebildeten Rettungssanitätern wird auch weiterhin 24 Stunden, also rund um die Uhr, zur Verfügung stehen, betonten die Vertreter des Kreises.
Der Kreis Steinfurt betreibt seit dem 2. Mai 1995 seine Leitstelle für Feuerschutz und Rettungsdienst auf dem Gelände der Feuer- und Rettungswache Rheine, an der Frankenburgstraße. Neben der Lenkung und Unterstützung aller Rettungsdienst- und Feuerwehreinsätze ist die Leitstelle auch für die Bewältigung von Großschadensereignissen (Katastrophen) ausgerichtet.
Im Sommer 1998 wurde die kreisweite Umstellung auf den digitalen Notruf 112 in allen 32 Ortsvermittlungsstellen der Deutschen Telekom AG abgeschlossen. Seit diesem Zeitpunkt ist die Leitstelle für das gesamte Kreisgebiet mit seinen 450.000 Einwohnern in den 24 Städten und Gemeinden zuständig.
Zu den Aufgaben der Kreisleitstelle gehören neben der Entgegennahme von Notrufrufen über die Kurzwahlnummer „112“ auch die Entgegennahme von Krankentransportaufträgen über die bundesweit einheitliche Rufnummer 19222. Weiter laufen in der Kreisleitstelle zentral alle 350 Brandmeldeanlagen aus besonders gefährdeten Objekten wie Krankenhäuser, Industriebauten u.a. Gebäuden auf.
Als besondere Aufgabe obliegt der Kreisleitstelle die Einsatzlenkungen des Rettungshubschraubers Christoph Europa II mit Standort Rheine sowie des Intensivverlegungshubschraubers Christoph Westfalen, der am Flughafen Münster/Osnabrück in Greven stationiert ist.
Die Kreisleitstelle ist mit insgesamt 5 Einsatzleitplätzen ausgestattet. Technisches Herzstück bilden die Notrufabfrageeinrichtung und der Einsatzleitrechner, der zur Unterstützung bei der Einsatzbearbeitung dient. Noch in diesem Jahr wird die technische Einrichtung Duck moderne digitale Technik ersetzt. Personell ist die Kreisleitstelle mit 20 feuerwehrtechnischen Beamten ausgestattet, wo von 18 Mitarbeiter im 24stündigen Schichtdienst eingesetzt werden.
In der Kreisleitstelle laufen jährlich mehrere Hunderttausend Notrufe ein, woraus ca. 41.000 Einsätze resultieren. Die Einsatzzahlen gliedern sich in ca. 35.000 Einsätze des Rettungsdienstes und des Krankentransports, 2000 Einsätze im Bereich der Luftrettung und rund 4000 Feuerwehreinsätzen.
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